BILDER95THESEN

95 Bilder in 95 Wochen zu 95 Thesen: Das ist die Kirchenkunst-Aktion des Künstlers Henning Diers. Beginnend in den Kirchen der Samtgemeinde Hoya und in Haßbergen, wächst dieses Kunstwerk in die Welt.

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Er öffne euch die Augen



These 60

"Wohlüberlegt sagen wir: Die Schlüsselgewalt der Kirche, durch Christi Verdienst geschenkt, ist dieser Schatz"

 

Das Bild

Zwei Hände die jeweils einen Schlüssel halten. Die Hände kommen von oben. Fügt man die beiden Schlüssel zusammen, hält sie also in der eigenen Fantasie mit dem jeweiligen Schlüsselbart aneinander, ergeben die Aussparungen ein Kreuz. Die Schlüssel rahmen eine Kirche ein. Das Gebäude steht auf der Spitze eines Felsen und hat eine gut erkennbare Tür. Ein genauerer Blick auf die Kirche lässt ein Fundament erkennen das sich zum einen im Felsen befindet und zum anderen den in den Felsen hinein gemalten Menschen berührt. Im Felsen lässt sich eine menschliche Kreatur erkennen. Sie ist komplett vom Stein umschlossen, hat jedoch Berührung mit dem Fundament der Kirche."

 

Die Bedeutung

Die Hände, die Schlüssel, die Kirche und der Fels erklären sich aus den Worten Jesu, die wir bei Matthäus im 16. Kapitel, in den Versen 18 und 19 finden: "Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein."

Das dies hier auch die Rechtfertigungsverse für das Papstamt als Stellvertreter Christi sind, sei hier zum besseren Verständnis dieser These und der damaligen Denkweise genannt.

Wir müssen auch wissen das Schlüssel seinerzeit eine gewisse Macht bedeuteten. Mit einem Schlüssel hat man Zugang zu etwas. Beziehungsweise war der Träger der Schlüssel derjenige der im Namen des Schlüsselbesitzers handeln durfte. Er hatte somit also die Schlüsselgewalt. Der Schlüsselträger war infolge dessen rechtmäßiger Stellvertreter des Besitzers.

Christus, der Sohn Gottes, übergibt zwei Schlüssel an den Menschen Petrus. Damit übergibt er (Jesus) einem Menschen (Petrus) die Macht, um Vergebung oder Verdammnis auszusprechen. Theologisch spricht man auch von der Binde- und Lösegewalt.

Christus überträgt seinen Jüngern, also denen die ihm folgen, das Amt die Versöhnung zu predigen. Es ist also unser Job dafür zu sorgen das andere Menschen von der befreienden Botschaft Christi hören.

Der Mensch in dem Felsen wird durch den Stein begrenzt. Er scheint in dem Felsen gefangen zu sein. Doch ist das so? Das Fundament der Kirche berührt ihn. Die Kirche Christi sind wir, die die seinen Worten Glauben schenken, die die ihm nachfolgen. Wir haben die gute Botschaft das niemand in seinen Sünden gefangen bleiben muss; es gibt einen Ausweg: Jesus Christus. 

Zur Freiheit hat uns Christus befreit, lesen wir in Galater 5, 1. Das gilt auch für die Gestalt in dem Felsen. Der Klassiker unter den Bibelversen bringt es auf den Punkt: "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Joh. 3, 16). Etwas ausführlich finden wir es in Epheser 1, 3-14. Jesus bietet uns Erlösung, Vergebung der Sünden, bedingungslose Liebe und das ewige Leben an! Gnade pur! Und wir, die wir dieses erfahren haben, wir die wir Christus nachfolgen dürfen dies weitersagen. Die gute Botschaft gilt allen Menschen. 

Niemand muss in Sünde, Not, Verdammnis gefangen bleiben. Es gibt einen Ausweg: Jesus Christus. 

Ich beende die heutigen Thesenbildbetrachtung mit einem Gruß und einem Wunsch an euch. Die Worte stammen aus Epheser 1, 18-20:

"Er öffne euch die Augen, damit ihr seht, wozu ihr berufen seid, worauf ihr hoffen könnt und welch unvorstellbar reiches Erbe auf alle wartet, die zu Gott gehören. Ihr sollt erfahren, mit welch unermesslich großer Kraft Gott in uns, den Glaubenden, wirkt. Ist es doch dieselbe Kraft, mit der er Christus von den Toten auferweckte und ihm den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gab!"


PS: Bitte betet weiter für diese Aktion! Wir brauchen euer Gebet!!

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Kennst du Laurentius?


These 59

"Der heilige Laurentius sagte, die Schätze der Kirche seien die Armen der Kirche. Aber er redete nach dem Wortgebrauch seiner Zeit.“


Im Rahmen einer Kirchenvorstandsklausur der Gemeinden Hassel, Eystrup, Haßbergen widmeten sich die Teilnehmer unter anderem auch dieser These. Als Grundlage dafür diente die Lebensgeschichte des Laurentius. Die Klausurteilnehmer zeichneten dann auch ihre eigenen Eindrücke dieser legendenbehafteten Lebensgeschichte. Henning Diers, der diesen künstlerischen Exkurs begleitete tat es den Kirchenvorständen und Pastoren gleich. Und so entstand das heutige Thesenbild.

Werfen wir also eine Blick auf die entscheidende Zeit im Leben des Heiligen Laurentius:

"Das Schicksal des Heiligen Laurentius, dem Erzdiakon der katholischen Kirche, ist uns durch eine antike Geschichte überliefert worden, die bereits im 4. Jh. verbreitet war; dieser traditionelle Text ist auch von den Kirchentexten übernommen worden. […]  „Laurentius, der berühmte Diakon der Römischen Kirche, bestätigte mit seinem Martyrium unter Valerianus (258) - vier Tage nach der Enthauptung des Papstes Sixtus II - seinen Dienst im Namen der Barmherzigkeit. Laut einer Legende, die bereits im 4. Jh. verbreitet war, nahm er tapfer ein grausames Martyrium auf dem glühenden Rost auf sich, nachdem er die Güter der Gemeinschaft unter den Armen verteilt hatte, welche er als wahre Schätze der Kirche bezeichnete…".

PS: Auf dem Rost, über den Flammen liegend soll Laurentius gesagt haben: "Diese Seite ist gut durch, dreh um und iss…"

(Quelle: Der Vatikan)


Bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Laurentius_von_Rom) heißt es dazu: 

"Laurentius von Rom (* evtl. in Osca (Spanien) oder Laurentum (Italien); † 10. August 258 in Rom) war ein römischer Diakon zur Zeit des Papstes Sixtus II. und starb als Märtyrer. Er wird von mehreren christlichen Kirchen als Heiliger verehrt. Sein Fest in der römisch-katholischen, der orthodoxen, der anglikanischen und der evangelischen Kirche ist der 10. August, in der armenischen apostolischen Kirche der 11. August. Der Heilige gilt als der bekannteste Träger des Namens Laurentius."

"Der Überlieferung zufolge war er als Archidiakon von Rom für die Verwaltung des örtlichen Kirchenvermögens und seine Verwendung zu sozialen Zwecken zuständig. Nachdem der römische Kaiser Valerian Papst Sixtus II. hatte enthaupten lassen, wurde Laurentius ausgepeitscht und aufgefordert, den Kirchenschatz innerhalb von drei Tagen herauszugeben. Daraufhin verteilte Laurentius diesen an die Mitglieder der Gemeinde, versammelte eine Schar von Armen und Kranken, Verkrüppelten, Blinden, Leprösen, Witwen und Waisen und präsentierte sie als „den wahren Schatz der Kirche“ dem Kaiser. Der Hauptmann, vor dem Laurentius erschienen war, ließ ihn deswegen mehrfach foltern und dann auf einem glühenden Eisenrost hinrichten. Aus diesem Grund wird der Märtyrer mit dem Rost als Attribut dargestellt. Seine letzten Worte soll er an den Kaiser gerichtet haben: „Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein.“

 

Hätten Sie es gewusst?

Zu keiner Zeit im Jahr lassen sich so viele Sternschnuppen beobachten, wie Mitte August. Der Meteoritenschauer, der im Sternbild Perseus auftritt, wird auch Perseiden genannt. Da das Erscheinen der Perseiden mit dem Fest des Märtyrers Laurentius am 10. August zusammenfällt, werden sie im Volksmund auch Laurentius-Tränen oder Tränen des Laurentius genannt. 

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Bild: Laurentius These 59

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These 59
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Bild: Heute geht es darum...

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Gnade


These 58

"Es sind auch die Verdienste Christi und der Heiligen; denn sie wirken ohne Papst immer Gnade für den inneren Menschen, aber Kreuz, Tod und Hölle für den äußeren."

 

Wir sehen eine Frau. Einen dunkleren und einen helleren Bereich, der durch eine Trennungslinie markiert wird. Der hellere Teil rechts, wirkt auf den ersten Blick plastischer. Gerade das Auge zieht den Betrachter an. Wer jedoch nur einen flüchtigen Blick auf das Bild wirft sieht eine Frauengestalt und ein merkwürdiges Wesen in der linken, oberen Ecke, das so etwas ähnliches wie eine Baguette isst. Oder…?

Zwei Worte der heutigen These 58 sind hier wichtig: Der äußere und der innere Mensch.


Der äußere Mensch

"Mein Haus, mein Auto, mein Boot…", wer kennt das nicht. Als dieser Ausspruch in der Werbung auftauchte wurde dieser Satz in meinem Freundeskreis sehr schnell zu einem geflügelten Wort. Mit sarkastischem Unterton wurden damit die Angeber betitelt. Meistens verdrehte man dabei noch die Augen und schon war klar da hatte es jemand echt nötig… Aber warum? Warum angeben? Ich denke das man meistens nicht darüber nachdenkt. Man macht es einfach. Schließlich ist man ja nicht irgendwer… Und genau darum geht es. Wir wollen immer "etwas" sein. Schließlich fragte niemand wer wir sind, sondern was wir sind. Wir erzählen doch lieber von ein tollen, exklusiven Urlauben, als davon das wir den Urlaub nicht genießen konnten weil wir wegen eines ekelhafte Magen-Darum-Infekts nur wimmernd im Bett lagen. Oder erzählen wir von dem Ärger den wir mit dem Partner im Urlaub hatten? Von den vielen Tränen? Oder berichten wir unseren Mitmenschen davon das wir uns keinen Urlaub leisten können, weil das Geld fehlt…? Der äußere Mensch, das er zu sein vorgibt, zählt. Der äußere Mensch: Mehr Schein als Sein.

Doch, was bleibt? In 1. Mose 3, 19 lesen wir das wir von der Erde genommen wurde und  auch dorthin wieder zurückkehren (Beerdigung): "Den Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück".

"… Kreuz, Tod und Hölle für den äußeren [Menschen]"

 

Der innere Mensch

Das ist unsere Seele. Da sind wir echt. Da verstellen wir uns nicht. Ein Beispiel: Angst. Wer gibt schon gerne zu das er sich vor einem wichtigen Gespräch, beispielsweise mit dem Chef, fürchtet? Keiner. Man entschließt sich die Angst nicht zu zeigen. In Wirklichkeit  kann man aber in der Nacht davor nicht schlafen, weil man Angst hat und die Gedanken nur um das Gespräch kreisen…

Unsere Ängste, unsere Sorgen und Fragen - das sind keine Themen die wir in geselliger Runde besprechen. Das ist nämlich unattraktiv. Das will keiner hören. Aber mitten in der Nacht, da werden unsere Sorgen und Nöte Themen. Sehr große sogar…

Wie ist es wenn du an deine letzte Steuererklärung denkst oder du Schwarzarbeit zulässt? Wenn wir Schuld auf uns laden?  Das soll keiner sehen und es sieht auch niemand - denken und hoffen wir.

Klar kann man sagen das man mit Glaube und Gott nichts am Hut hat. Aber was passiert wenn wir plötzlich mit unserem Leben an einem Punkt sind an dem wir nicht mehr weiterwissen und wir uns fragen was uns den trägt? Wie ist es wenn wir uns die Frage nach dem Tod stellen? Kommt da was? Gibt es ein Leben nach dem Tod?

"…Gnade für den inneren Menschen"

 

Die Figur links oben in Hennig Diers Bild stellt eine Bezug zur Zeit Luthers dar. Der Maler Hieronymus Bosch (etwa 1405-1516) malte um 1500 das Triptychon "Der Garten der Lüste". Im rechten Innenflügel ist die Hölle abgebildet, wegen der Darstellung von Musikinstrumenten auch als „Die musikalische Hölle“ bezeichnet. Dort findet sich auch das Vorbild zu dieser Figur: "… sitzt ein vogelähnliches Wesen, es trägt einen Kessel auf dem Kopf (Symbol, sich gegen den Himmel und göttliche Einflüsse abzuschirmen) und verschlingt Menschen. Diese werden wieder ausgeschieden und fallen in eine Sickergrube, die allerlei Ekel bietet".  Das Bild mag man als fantasiehafte, zeitgenössische Darstellung der Hölle sehen.

 

Luther schreibt in seinem Lied Eine feste Burg ist unser Gott

Und wenn die Welt voll Teufel wär, und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir und nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht': Ein Wörtlein kann ihn fällen.

 

Der Fürst dieser Welt ist gegen Jesus Christus machtlos. Gott ist uns Schutz und Zufluchtsort zugleich; eben Eine feste Burg!

Bei Gott findet sich "…Gnade für den inneren Menschen"

Bild: Bildausschnitte These 58

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Zeitliche Schätze

Gedanken von Henning Diers zur These 57 


"Zeitliche Schätze sind es offenkundig nicht, weil viele der Prediger sie nicht so leicht austeilen, sondern nur einsammeln."

Die bereits in These 56 von Martin Luther benannten Schätze , der „wahre Schatz der Kirche“ wird das vorherrschende Thema der nächsten Wochen/Thesen sein. Denn Luther versucht, selbst, diesen Begriff mit verständlichem Inhalt zu füllen.

Deshalb möchte ich hier einen Versuch machen, dieses Wort in unsere heutige Zeit zu transportieren.  Lassen wir zunächst den Zusatz „Kirche“ weg, so bleiben die „zeitlichen Schätze“. Luther spielt natürlich auf das zeitliche Versprechen Gottes an, dass seine Gnade über unsere Lebenszeit hinweg gilt, sogar ewiglich.

Auch wenn die Ewigkeit für uns unfassbar und unbegreiflich klingt, sehnen wir uns doch in Vielem nach zeitlicher Dauer. Nachhaltigkeit ist einer der aktuellen Begriffe. Wir wünschen uns Freundschaften, Partnerschaften, Gefühle,  Vertrauen : ein Leben lang. Als Schätze können wie sie dann  bezeichnen, wenn sie nicht kurzlebig und flüchtig sind. Auch manch Lieblingssessel, die besonders liebgewonnenen Schuhe, ein geerbter Ring – solches könnten wir als Schätze, ja als zeitliche Schätze benennen.

Ebenfalls sind Riten und Rituale, wiederkehrende Momente oder Abläufe für uns zeitliche Schätze. In allgemeiner Art wie beim Feiern von Weihnachten und Ostern. Auch durch Gebete und kirchliche Liturgie, Geburtstagskerzen und Begrüßungsformeln bis hin zu Kohltouren, Schützenfesten und Silvesterraketen.

Wir schätzen persönliche Riten wie das Aufschlagen eines Frühstückseis oder der jährliche Besuch in der Alhuser Ahe zur Blüte des Lerchensporns. Solche Schätze sind uns wichtig, ihr hauptsächliches Wesen ist die zeitliche Wiederkehr. 

Beim „Suchen“ des Thesenbildes in dieser Woche kommen mir in diesem Zusammenhang auch kritische Gedanken : wiederkehrende Versprechungen, ritualisierte Betrugs-Abläufe… aber auch unser/mein ignorieren von Lügen, von fakenews. Immer wieder erliegen wir dem Angebot von Brot + Spielen. 

Vor ein paar Tagen berichtete eine Journalistin von der Situation in Rio nach der Olympiade. Verglichen wurden die großen Versprechungen von IOC-Chef Thomas Bach mit der Situation heute in Bezug auf Infrastruktur, Bildung, Armut und Währung. Ein erschreckendes Fazit, jedoch kein ungewöhnliches oder überraschendes. Wir wissen vom Staatsdoping in Russland, von Sklaven in Qatar, Korruption in der Fifa. Und werden 2018 die Fußballweltmeisterschaft und 2020 die Olympiade verfolgen, die Wahrheiten der Vergangenheit ausblendend. In uns – könnte man sagen – pflegen wir also innere langwährende Schätze, in deren Truhen tatsächlich nur Tand, heiße Luft und leere Versprechungen zu finden sind. 

Hier sollten wir uns an Luther orientieren, der die leeren Versprechungen benennt, anprangert und sich von ihnen distanziert.  In These 62 bezeichnet er den  wahren Schatz  als das heilige Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

Henning Diers


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Denn wo dein Schatz ist


These 56

„Die Schätze der Kirche, aus denen der Papst die Ablässe austeilt, sind weder genau genug bezeichnet noch beim Volk Christi erkannt worden.“


"Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz."  (Matthäus 6, 21) Dieser Bibelvers fiel Henning Diers ein als er die 56. These malte. So ist es nur natürlich das man das Herz auch auf dem Bild findet. Zwischen zwei Händen, die herzförmig auf dem Bild zu erkennen sind. 

Ein Schatz bedeutet Reichtum. Doch was ist Reichtum eigentlich? Wie sieht er aus? Ist er messbar? 

Wenn, laut einer aktuellen Oxfam-Studie, acht Milliardäre so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, wie viel haben sie dann und wie viel die anderen? Ist ein Mensch arm, weil er weniger Geld hat oder ist ein armer Mensch reich, weil er Freude und Zufriedenheit in seinem Herzen hat? Reichtum lässt sich nur bedingt umfassend definieren. Eigentlich ist der Begriff unklar, verwaschen. Reichtum definiert sich oftmals sehr individuell, wenn man genauer hinguckt.

Im Hinblick auf die derzeit scheinbar etwas besorgniserregenden Ereignisse in Amerika verband Hennig Diers die Inauguration von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten mit der These. Trump als Stellvertreter des Reichtums. 

Doch blieb sein Trump’s Konterfei nicht ganz. Es fiel der Schere zum Opfer. Diers zerschnitt das Bildnis des Mannes, um es neu zusammenzufassen. Er zerlegte quasi den ersten Oligarchen im Weißen Haus. .. 

Daraus entstand etwas Neues. Eine Fläche in der ein Herz zu finden ist. Eine Überraschung. Es verbirgt sich in dem scheinbar Offensichtlichen...

Das Bild weckt auch Erinnerungen an ein Luftbild das verschieden Äcker aus der Luft zeigt. So gibt es auch das Gleichnis vom Schatz im Acker das sich in Matthäus 13, 44-46 findet. Dort heißt es: „Vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle: Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“

Dort, in dem Gleichnis steckt ein Mensch seine ganze Leidenschaft und sein ganzes Vermögen in den Acker, um an den Schatz zu kommen. Er setzt sein Herz quasi auf den Acker. Und auch im Bild ist das Herz gesetzt. 

Steckt auch in dem populistisch auftretenden Amerikaner ein Herz? Eines das sich zu entdecken lohnt? Ist Reichtum offensichtlich? Sind Schätze immer klar definiert?

Hennig Diers malt seine Hoffnung mittels eines grünen Streifens mit Hoffnungspflänzchen an den Rand des Bildes. 

Luther wollte darauf hinweisen das vor allem immer Gott am Werk ist. Immer. In jeder Situation. 

Gott ist die allentscheidende Kraft. Immer. Komme was da wolle, oder wer da wolle... 

Gott ist die letzte Instanz. 


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Bild: Zur These 56...

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An der Schwelle der neuen Welt…


These 55

„Meinung des Papstes ist unbedingt: Wenn Ablässe, was das Geringste ist, mit einer Glocke, einer Prozession und einem Gottesdienst gefeiert werden, dann muss das Evangelium, das das Höchste ist, mit hundert Glocken, hundert Prozessionen, hundert Gottesdiensten gepredigt werden.“


Die Zeit in der Luther seine Thesen schrieb war eine Zeit der Entdeckungen, der Entwicklung. Ein paar Jahre vor Luther (1492) entdeckte Christoph Kolumbus  (*1451 -† 1506) Amerika. Andere Entdecker waren auf der Erde unterwegs und machten sich auf, neue Gefilde oder Wissenschaften zu ergründen. So beispielsweise auch der Seefahrer Vasco da Gama (*1469 -† 1524) der 1497 den südlichen Seeweg nach Indien, um das Kap der Guten Hoffnung herum, entdeckte. Und der Domherr, Astronom und Arzt Nikolaus Kopernikus (*1473 -† 1543) beschäftigte sich damals in seiner freien Zeit mit Astronomie, Mathematik und Kartographie und stellte klar, dass sich die Erde um die eigene Achse dreht und sich zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewegt. Eine Revolution des bisherigen Weltbildes…

Da reiht sich Luther gut mit ein. Es war eine spannende und aufregende Zeit. Die "alte Welt" war in Bewegung. Mit den Thesen eröffnete Luther neue theologische Dimensionen. Aber die Zeit war auch zerbrechlich. Aufbruch, Veränderungen bergen auch immer Gefahren. Altes wird auf den Prüfstand gestellt und wenn man nicht aufpasst, kann sehr schnell etwas zerstört werden. Damit es weitergehen kann, darf nichts aus dem Gleichgewicht geraten. Auch, oder gerade dann, wenn es gilt sich aufzumachen in neue Gefilde ist ein Gleichgewicht, eine innere Balance unbedingt zu erhalten. Nur dann kann man bestehen und die Neuerungen durchstehen

Gleiches gilt auch für ein Mobile.. Alles muss zwingend im Gleichgewicht sein, sonst klappt es nicht. Alles muss an seinem richtigen Platz sein und nichts darf verrutschen. 

Das Mobile würde zusammenbrechen, nicht mehr im Gleichgewicht sein wenn etwas am falschen Platz ist.

Und so sollte auch, ginge es nach Luther, die Predigt - das Wort Gottes - das ihm zustehende Gewicht im Gottesdienst bekommen. Unangefochten. Der Ablasshandel muss eindeutig hinter der Predigt zurückstehen. Das Evangelium hat viel mehr Gewicht.

Um das zu verdeutlichen greift Luther auf seine eigene Herkunft und damit seine eigene Glaubensrealität zurück. Für Luther, der seinen Glauben im Kloster fand, waren beispielsweise Prozessionen nichts ungewöhnliches. Große Festtage werden bis auf den heutigen Tag mit Prozessionen gefeiert.  

So nimmt Hennig Diers die Beispiele aus der These auf und gestaltet daraus ein Mobile. Ablass gegen Evangelium, Priester versus Ablasshändler und so fort...

Ganz oben steht der Papst. Er hält das Mobile. Doch hält er es wirkliche? Oder hält er sich fest, damit er sein Gleichgewicht nicht verliert? 

Mit einem Segelschiff und der angedeuteten Erde verdeutlicht Hennig Diers den Aufbruch in die neue Welt. So wie es auch mit dem Evangelium weiterging, so geht es auch mit den Gläubigen weiter. Auch sie werden dereinst in eine neue Welt aufbrechen, wenn es ins ewige Leben geht. Zu Christus unserer Hoffnung. Und so scheint es nur folgerichtig, wenn der Faden an dem alles hängt nach oben zeigt. Zu Gott. 

„Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Offenbarung 22, 13

Und weiter: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ Offenbarung 1, 8.

Er, Gott, ist es der letztlich für das richtige Gleichgewicht sorgt.


Die Bilder entstanden in dem Ökumenischen Gottesdienst, in dessen Rahmen Hennig Diers das Thesebild 55 vorstellte.


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Bild: Im Ökumenischen Gottesdienst

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Die Sache mit Tetzel…


These 54

„Unrecht geschieht dem Wort Gottes, wenn in ein und derselben Predigt den Ablässen gleichviel oder längere Zeit gewidmet wird wie ihm selbst.“


Der Dominikaner Johann Tetzel (*1460 - † 1519) war Ablassprediger. Seine Ablasspredigten stellten den Anlass für Luthers Thesenanschlag dar.

Augenscheinlich war Tetzel ein hervorragender Rhetoriker der es verstand die Ängste seiner Zuhörer vor dem Fegefeuer zu schüren und ihnen dann mit dem Ablass einen einfachen Weg aus den Flammen zu weisen. Das schien beim Volk ziemlich gut anzukommen…

Eines der berühmtesten Zitate ist zweifellos: „Sobald das Geld im Kasten klingt,
die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

Luther war empört: „Der Tetzel machte es zu grob mit dem Ablass, denn er war so unverschämt zu predigten: Siehe deine Mutter an, wie sie von den Flammen des Fegefeuers gequält wird! Und das leidet sie von deinetwegen, der du mit einem Groschen ihr zu Hilfe kommen kannst.“ (Quelle: https://www.welt.de/geschichte/article150024642/Umtriebiger-Scharlatan-provozierte-die-Reformation.html

„Was aus heutiger Sicht unverständlich erscheint, war in der Zeit des ausgehenden Mittelalters eine reale Angst der Menschen. Angesichts der hohen Sterblichkeitsrate, konnte jeden jederzeit der frühe Tod ereilen, noch ehe er seine im Leben begangenen Sünden begleichen konnte. Die Folge konnten – je nach Schwere der begangenen Straftaten – jahrelange Qualen im Fegefeuer sein.“ (Quelle: https://www.luther2017.de/de/reformation/und-kirche/spaltung/ablassbriefe-mit-vollkasko-ins-jenseits/)


Henning Diers schrieb einen Teil einer überlieferten Ablasspredigt Tetzels auf die Leinwand. Mit dem Fisch der durch die Worte schwimmt, versinnbildlicht der Künstler die Kraft des Wortes Gottes, die unaufhaltsam ist. Immerhin ist der Fisch das wohl bekannteste christliche Symbol, neben dem Kreuz. Schon die ersten Christen verwendeten dieses Symbol, um zu zeigen: Wir gehören zu Jesus Christus. 

Nebenbei: Woher kommt der Fisch eigentlich?? „Auf Griechisch heißt Fisch „ICHTHYS“. Die einzelnen Buchstaben dieses Wortes können jeweils den Anfang eines neuen Wortes bilden. Zusammen entsteht daraus so ein kurzes Glaubensbekenntnis:

IESOUS CHRISTOS THEOU YIOS SOTER = Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser. 

Unter dem Fisch steht: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“.  (Römer 8, 14)


Übrigens: Nur zwei Jahre nach dem Thesen Anschlag von 1517, verstarb Tetzel am 11. August 1519. Begraben wurde er in der Dominikanerkirche in Leipzig. Sie wurde 1968 vom SED-Regime gesprengt… 


Bild: Bildausschnitte These 54

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Das Wort als Fundament


These 53:

„Feinde Christi und des Papstes sind diejenigen, die anordnen, wegen der Ablasspredigten habe das Wort Gottes in den anderen Kirchen völlig zu schweigen.“


„Luther erwähnt in dieser These erstmalig das ‘Wort Gottes’“, so Henning Diers. „Darüber hinaus ordnet Luther ein, indem er von ’Feinden Christi“ spricht und damit die meint, die dafür sorgen das in den Kirchen wegen der Ablasspredigten kein Wort Gottes verkündet werden darf.“

Und so malt Henning Diers seinen Luther als Verkündiger, der an einem großen (Kirchen-?) Fenster steht. 


Damit weckt die Lutherfigur für mich (die Autorin) Erinnerungen an die mittelalterlichen Türmer, die von ihrem Posten hoch oben in den Kirchtürmen die Umgebung beobachteten und bei Gefahr Alarm schlugen.

Luther als Wächter des Wortes.

Eine andere Assoziation mit Luther am Fenster ist sicher auch der Gedanke an einen Verkündiger, jemand der etwas Wichtiges zu sagen hatte. Ich (die Autorin) denke an die Herolde im Mittelalter. Sie waren Kenner des einschlägigen Rechts, wie beispielsweise Urkunden- und Staatsrechts. Ein Herold war offizieller Bote seines Lehnsherren. Was er zu sagen hatte musste gehört werden. Seine Botschaften wurden an wichtigen Stellen von zumeist erhobenen Positionen aus vorgetragen. Jedermann sollte ihn hören können. Seine Worte waren Gesetz. 

So steht Luther wie ein unerschütterlicher Herold Gottes da. Fest und sicher. Er verkündet Gottes Wort. Und sein Thema heißt: „Errettung (Erlösung) alleine durch Gnade“. So wie es die Schrift verheißt. 

Wirft man jedoch einen Blick auf die Schrift so ist diese verklebt…

In der Hand hält der Reformator eine Bibel die mit einem Ablassbrief verklebt ist, sodass man sie nicht öffnen kann. Mithilfe eines Cuttermessers schickt sich Dr. Martin Luther an das Buch, das Wort Gottes zu öffnen. 

Dem Wort Gottes kommt bei Luther die alleinige Herrschaft zu.

Luther erkennt die Bibel als unanfechtbare Autorität an.

Das ist das Fundament seiner Verkündigung: Gott

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ 

(Johannes 1,1)


Henning Diers hängt dem Reformator das Zeichen der Kunstaktion „Engel der Kulturen“ ans Fenster. Dies sieht der Künstler als Hinweis und gleichzeitigen Aufruf zur Völkerverständigung, aber auch als Mahnung zur Religionsfreiheit. „Wir müssen unterschiedlich und gleichberechtigt nebeneinander glauben können“, so Hennig Diers. 


Wer mehr über den Engel der Kulturen erfahren möchte klickt auf "Engel" und wird auf eine andere Seite umgeleitet.

Bild: Bildausschnitte These 53

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Bild: Anette Steuer

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