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95 Bilder in 95 Wochen zu 95 Thesen: Das ist die Kirchenkunst-Aktion des Künstlers Henning Diers. Beginnend in den Kirchen der Samtgemeinde Hoya und in Haßbergen, wächst dieses Kunstwerk in die Welt.

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Du bist wertvoll...!

Hinweis vorab: Menschen mit wenig Zeit empfehlen wir „Die Quintessenz“ zu lesen… 

Die Übergabe des Thesenbildes fand im Rahmen eines Orgelkonzertes von Dietrich Wimmer statt. Von daher sagen wir: "Herzlichen Dank für diesen musikalischen Hochgenuss!"


Die 77. These: 

„Dass gesagt wird, selbst wenn der heilige Petrus jetzt Papst wäre, könnte er nicht größere Gnaden gewähren - das ist Blasphemie gegen den heiligen Petrus und den Papst“


Die Bestandteile des Thesenbildes:

  1. Schwarze Linien
  2. Eine symbolische Mauer mit einem Graffiti
  3. Ein Pantheon
  4. Ein in Plastik eingeschweißtes Teil einer Bibel
  5. Der Bezug zur These: Blasphemie


Die Bedeutungen:

  1. Die schwarzen Linien stehen als Bezug zur Documenta, die die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst ist
  2. Das Graffiti weist auf den Film „Das Leben des Brain" (Original: „Monty Python’s Life of Brian“, 1979) hin. Es geht dabei um die Szene in der der Held des Filmes "Romanes eunt domes" (Lateinisch für: Irgendwelche Menschen namens Romanes gehen das Haus) an eine Hauswand schmiert, um damit die Römer zu verhöhnen. Ein zufällig vorbeikommender Römer stößt sich an den Rechtschreibfehlern und zwingt den Schreiber, mit vorgehaltenen Schwert, dazu den Satz hundert mal richtig an die Mauern Roms zu schreiben: "Romani ite domum“ (Lateineisch für: Römer geht nach Hause!)
  3. Das oben links erkennbare Pantheon bezieht sich auf ein Kunstwerk der Künstlerin Marta Minujín welches derzeit in Kassel zu sehen ist. Ein Pantheon ist ursprünglich ein den Göttern geweihtes antikes Heiligtum.
  4. Das eingeschweißte Bibelfragment weist ebenfalls auf das unter c) erwähnte Kunstwerk hin. Das Pantheon von Marta Minujín ist mit tausenden, ebenfalls eingeschweißten Büchern bestückt. Minujín will damit ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser setzen. Um dies zu verdeutlichen nimmt sie Bücher, die einst oder auch gegenwärtig verboten sind. Henning Diers nimmtdie Bibel als verbotenes Buch mit in dieses Bild hinein. Dazu der Hinweis auf einen historischen Abriss, der in der Online-Ausgabe der „Zeit“ vom 1.Oktober 2014 zu lesen war. (Link: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/bibel-uebersetzung-verbot) Dort steht: „Im Zuge der religiösen Bewegungen des 12. und 13. Jahrhunderts begannen sich jedoch auch Laien für die Bibel zu interessieren, und erstmals wurden Ansprüche laut, sie selbst auszulegen. Die Kirche wies dies vehement zurück. 1199 untersagte Innozenz III. die Bibellektüre bei privaten Zusammenkünften, und auf der 1229 in Toulouse unter der Leitung Gregors IX. tagenden Synode wurde den Laien der Besitz des Alten und Neuen Testaments mit Ausnahme des Psalters und des Breviers (des Stundenbuchs) untersagt. 1234 erklärten die spanischen Bischöfe auf der Synode von Tarragona jeden zum Ketzer, der eine romanische Übersetzung der Heiligen Schrift besaß und diese nicht innerhalb von acht Tagen nach der Bekanntmachung des Dekrets zur Verbrennung ablieferte.“ Am 8. Januar 2014 schrieb die Online-Ausgabe der „Welt“, unter Bezugnahmen auf das Hilfswerk „Open Doors“ (www.opendoors.de): „Christen werden in vielen Ländern verfolgt und ihr Glaube unterdrückt. Hauptquelle für die Verfolgung ist häufig Islamismus – an der Spitze der Unterdrückerstaaten aber liegt Nordkorea. In Nordkorea werde auch unter dem neuen Herrscher Kim Jong-Un bereits der Besitz einer Bibel mit der Todesstrafe oder Arbeitslager für die gesamte Familie geahndet,…“  (Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/article123650893/Wo-der-Besitz-der-Bibel-mit-dem-Tod-bestraft-wird.html)

Für Henning Diers hat die Bibel in diesem Bild aber noch eine andere, viel weitreichendere Bedeutung: Er bezeichnet sie hier als „Eckstein“ im Hinblick auf Matthäus 21,42. Dort heißt es: „Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und er ist ein Wunder vor unsern Augen«?“

Des Weiteren verweist der Künstler damit auch auf Luthers „Sola Scriptura“ (allein die Schrift!), wie wir es bereits in These 75 erklärten.

  1. Das Wort Blasphemie wird laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia wie folgt erklärt: „Blasphemie bezeichnet das Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer kanonischen Weltreligion. Eine öffentliche, Ärgernis erregende Beschimpfung Gottes wird als Gotteslästerung bezeichnet.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Blasphemie)


Die Aussage: 

Es geht zum einen um die Kunst und den schmalen Grad zwischen der Freiheit die wir wollen und brauchen und dem Moment der Beleidigung, des Angriffs auf andere. Daraus folgt die Frage: Was darf Kunst? Was muss sie manchmal sogar tun, um auf Missstände hinzuweisen, um wach zu rütteln? Welche Möglichkeiten hat Kunst? Wo ist sie zwingend wichtig? Kunst als Vehikel um Wahrheiten und Weckrufe zu transportieren!

Zum anderen geht es aber auch um die Frage: Woher kommt Kunst? Ist Kunst von Gott? Ist Kunst göttlich? Ein Ausdruck Gottes?


Die Quintessenz: 

Gott ist die Kreativität! In 1. Mose 1, 1 lesen wir: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde!“

Und: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als männlich  und weiblich.“ (1. Mose 1,27)

Gottes Fazit: „Und Gott sah, dass es gut war.“ (1. Mose 1, 10)

Unser Thesen-Fazit: Wir sind von Gott geschaffen, gewollt und gut gemacht. Er hat uns, jeden nach seinen speziellen Gaben mit ganz viel Kreativität beschenkt. Von  Liebe und Empathie, über den „grünen Daumen“ bis hin zu Musik oder Malerei. Alles von Gott geschenkt. 

Doch die Verantwortung was wir damit machen, liegt bei uns.

In Jakobus 2, 8 lesen wir, womit es anfängt: „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; …“


Packen wir es an und machen das Beste draus…!


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Bild: Von der 77. These und dem Orgelkonzert

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Endspurt


Mit der These Nummer 77 läuten wir am 17. Juni 2017 in Eitzendorf den Endspurt ein!
Die kommenden 19 Bilder bilden die unteren und damit letzte Reihe des späteren ganz großen Bildes. Sie führen also direkt zum Abschluss dieser einmaligen Kirchenkunstaktion und damit zur Vollendung des Gesamtkunstwerks!!
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Bild: 19 Bilder bis zum Ganzen...

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Zu den Grundfesten… 


These 75: Patengemeinde St. Michael, Nienburg

4. Juni 2017


Gleich in der Einleitung zu seinen Thesen lädt Dr. Martin Luther zum Disput um die Wahrheit ein. Als Doktor der Theologie ist das Wort, das gesprochene sowie das geschriebene sein täglich Brot und Berufsinhalt. Seine Wortgewandtheit und ausgesprochene Liebe zum Wort und damit auch zur Sprache wird in der Folge der Reformation die Welt verändern. 

Als Luther 1521 auf der Wartburg das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte, rang er - so die Überlieferung - oftmals mit den Worten und ihren Bedeutungen. Luther hatte bei seiner Übersetzung das Bestreben, dass das Volk die Bibel verstehen konnte. Denn nur wer verstehen konnte, hatte die Möglichkeit sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und so das Geschenk der göttlichen Errettung anzunehmen. 

Das Verstehen wurde durch die seinerzeit übliche lateinische Predigt erschwert. Das voll war also darauf angewiesen was ihnen die Prediger auslegten. Das Volk konnte also nur soviel glauben, wie es gelehrt bekam. 

So hatten die Ablassprediger also leichtes Spiel, wenn sie die drakonischen Schmerzen und höllischen Qualen des vermeintlich unausweichlichen Fegefeuers dem gemeinen Volk in drastischen Reden vor Augen malten. 

Der genau wie Luther sehr eloquente Johann Tetzel (1460-1519) war einer dieser wortgewaltigen Ablassprediger. Somit es durchaus vorstellbar das er seinen verschreckten Zuhörern weismachen wollte, das sogar die Vergewaltigung von Jesu Mutter durch den Erwerb des päpstlichen Ablasses vergeben werden könne. Diese dramatische Szene mag der Grundstein für die aktuelle und damit 75. These sein: 

"Zu glauben, die päpstlichen Ablässe seien derart, dass sie einen Menschen absolvieren könnten, selbst wenn er – gesetzt den unmöglichen Fall – die Gottesgebärerin vergewaltigt hätte, das ist verrückt sein."

Genau diese Dreistigkeit Tetzels mag es gewesen sein die Luther auf die Palme brachte. Die Willkür und Frechheit in den Worten eines Ablasspredigers (These 71) musste ein Ende haben! 

Luther war vermutlich ziemlich sauer und ihm war klar: "Wir müssen reden!"

Der Ablasshandel baute auf einem haltlosen Konstrukt drastischer Predigten auf, die sich die Angst der Zuhörer zunutze machte.

Luther selbst hatte früher Angst vor Gott, den er als strafenden Gott empfand. Doch dann wurde eine Stelle im Römerbrief (Röm. 1,17) zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Dort steht: "Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben." SOLA FIDE (Röm. 3,28)

Gottes Gnade schafft Errettung. SOLA GRATIA (Röm. 11,6)

Die hohlen Worte der Ablassprediger sind nur ein instabiles, leeres Konstrukt. Eine menschengemachte sinnlose, nur scheinbare Ordnung. Diesen leeren Worten setzte Luther die Bibel, die heilige Schrift entgegen. SOLA SCRIPTURA (2.Tim. 3,16-17)

Christus hingegen bringt Leben - über den Tod hinaus. Nur Christus bringt Ordnung und ewiges Leben. Christus allein. SOLUS CHRISTUS (1. Tim. 2,5)


Henning Diers widmet sich in seinem Bild zur These 75 diesen Inhalten und stellt gleichzeitig einen Bezug zum heutigen Pfingstfest her: Zu Beginn der Aktion liegt das noch unfertige Bild auf einem Tisch, der vor dem Altarbereich steht. Auf Einladung des Pastors Marco Voigt kommt die Gemeinde nach vorne. Henning Diers beginnt mit Federkielen eine Art Gerüst auf der Leinwand zu legen. Die Grundfarbe des Bildes entstand auch diesmal wieder in einem willkürlichen (These 72) Akt. 

Nachdem die Gemeinde das Bild mit dem Gerüst gesehen hat, beugt sich der Künstler über sein Werk und bläst die Federkiele auseinander… Schweigen in der Kirche. 

Dann legt Henning Diers mit unterschiedlichen Holzstückchen (Die Stücke stammen ebenso wie die Federkiele von der Insel Spiekeroog) ein Kreuz auf das Bild. 

Die vier Bestandteile des nunmehr entstehenden Holzkreuzes heißen CHRISTUS und FIDE und SCRIPTURA und GRATIA*.

Eine neue, biblische Ordnung entsteht! Durch das hinweg blasen des hohlen, nicht tragfähigen Konstruktes wurde Raum geschaffen für Neues. 

So wird diese Kirchenkunstaktion zum einen ein Sinnbild für die Reformation, den Veränderungsprozess und gleichzeitig auch eine Analogie für das Wirken des Heiligen Geistes. Denn nur der Geist (Gottes) macht lebendig (2.Kor. 3,6)!

In der auf die Kunstaktion folgenden Predigt verstand Pastor Marco Voigt es sehr einfühlsam und eindrücklich das eben Erlebte mit dem heutigen Pfingstfest und den Thesen zu verbinden. Als Basis für seine Predigt diente ihm dabei nicht nur die These 75 und 76 („Wir sagen dagegen: Die päpstlichen Ablässe können nicht einmal die kleinste der lässlichen Sünden tilgen, was die Schuld betrifft.“) sondern auch der Bericht über das Pfingstwunder aus Apostelgeschichte 2, 1-18.

Für die Untermalung dieses stimmungsvollen Gottesdienstes sorgten Hartmut Reußwig als Organist, Pianist und Chorleiter sowie Verena Nordbrock an der Querflöte. Und das „Kleine Ensemble Marklohe“ schuf gesanglich den passenden Rahmen.  



*Die im Text erwähnten Begriffe stammen aus dem lateinischen und stehen für die vier Grundfesten der Reformation. Für Luther waren diese Punkte von exorbitanter Wichtigkeit. 

  • Sola Fide (allein der Glaube)
  • Sola Scriptura (allein die Schrift)
  • Solus Christus (allein Christus)
  • Sola Gratia (allein die Gnade)


Weiter Bilder finden Sie unter dem Menüpunkt: "Galerie: Veranstaltungen".

Bild: Zur These 75...

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Das große Finale...!

,,,sollten Sie nicht verpassen!
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Bild: 29. Oktober 2017 in Wechold

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Du siehst mich


These 74
"...so viel mehr beabsichtigt er, den Bann gegen die zu schmettern, die unter dem Deckmantel der Ablässe etwas zum Schaden der heiligen Liebe und Wahrheit im Schilde führen."

Verlaufende Farbe, ein Deckmantel, ein paare feiste Figuren und zwei, nein eigentlich vier "Kirchentagsaugen" machen die heutige These aktuell. 
Die verlaufende Farbe steht auch hier wieder für die Willkür aus den vorangegangenen Thesen. 
Die feisten Figuren, die sich im Deckmantel verstecken stehen für die, die sich am Ablasshandel bereicherten. 
Mit den Augen, die Henning Diers dem Logo des bis heute stattfindenden Evangelischen Kirchentags entnahm, übernimmt er auch die Losung des Kirchentags:
Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg steht unter der Losung "Du siehst mich" aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 16, Vers 13.

Übernehmen wir dazu heute einfach mal die Worte von Prof. Dr. Christina Aus der Au, Präsidentin des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages und der Kirchentage auf dem Weg:

„Du siehst mich“ – diese Losung hat das Präsidium am Samstag für den 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2017 in Berlin und Wittenberg beschlossen.
„Du siehst mich“. Dieser besondere Kirchentag 2017 hat nun eine Überschrift. Der Kirchentag, an dem wir auch 500 Jahre Reformation feiern, [...] auf dem Weg zum großen Festgottesdienst in Wittenberg.
„Du siehst mich“. Du, Gott, siehst mich Mensch. Dies ist im 1. Buch Mose die Erkenntnis von Hagar, einer jungen Frau auf der Flucht. Ihr ist Unrecht geschehen. Gott sieht sie. Er sieht ihre Situation und gibt Rat. Hagar fühlt sich wahrgenommen und beachtet. Daraus schöpft sie Kraft.
Angesehen sein, wahrgenommen werden. Diese Sehnsucht ist groß. Dafür schicken wir permanent Bilder von uns selbst in die Welt, per Selfie, Facebook und Whatsapp. Doch wirklich gemeint sein – das geht tiefer.
„Du siehst mich“. Du, Mensch, siehst mich Mensch. Die Freude darüber, dass mich jemand sieht und sich für mich interessiert, die kennt Jede und Jeder. Das verbindet Menschen untereinander, egal ob, was oder an wen sie glauben. Der Kirchentag kommt nach Berlin, in diese säkulare und zugleich multireligiöse Stadt. Er will sich nicht nur auf das Messegelände zurückziehen. Sondern seine über 100.000 Teilnehmenden werden in der Stadt unterwegs sein, wollen sehen, wahrnehmen und fragen: Wer bist du? Was ist dir wichtig? Was macht dich aus?
Der reformatorische Aufbruch vor 500 Jahren war ein Ausbruch aus alten Gewohnheiten. Reformation ist Veränderung. Wie brechen wir heute auf, mutig, kreativ und mit Kraft, um Herausforderungen von Klimakrise, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Friedenskrise zu begegnen?
Aber auch umgekehrt: Wie halten wir Stand in Zeiten rasanter Transformationsprozesse. Was trägt und was ist überhaupt noch gewiss? Was hält Gesellschaft zusammen, wenn alte Gewissheiten wegzubrechen drohen? Gibt es Grenzen der Toleranz?
„Du siehst mich“. Das fordert auch dazu auf, sich den vor Krieg und Gewalt Flüchtenden zuzuwenden. Die langfristige Integration dieser Menschen steht als immense Aufgabe vor uns. Leben in Vielfalt. Gerade in Berlin schon immer. Wir wollen Gesellschaft neu denken. Wie kann Gemeinschaft bestehen bleiben, wo sich ganze Landstriche im Osten Deutschlands, auch in Brandenburg entvölkern? Und wie kann Gemeinschaft entstehen, wo jeden Tag Neues und auch Fremdes hinzukommt? Wir sollten damit beginnen, dass wir hinsehen, ansehen, annehmen – und auch uns ansehen und anfragen lassen.
Christinnen und Christen wissen sich selbst angesehen und angenommen, und darum haben sie einen offenen Raum, sich anderen zu zuwenden. Gesehen zu sein und selbst hinzusehen lässt Solidarität entstehen. Mit denen, die nahe sind, europäisch und weltweit. Als Menschen verbunden.
„Du siehst mich“. Und davon lebe ich. Der Blick ohne Vorbedingungen. Hinsehen, wo Menschen nicht das Nötige haben zum guten Leben, wo sie am Rand stehen oder abgehängt sind. Sie nicht verloren geben, sie nicht einfach ignorieren. Aus der Losung ergibt sich eine Aufmerksamkeit für soziale Themen in Berlin: Gentrifizierung, Anonymisierung und Obdachlosigkeit; aber auch für die Frage des Wohnens in einer wachsenden Stadt. [...]"

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Bild: Bilder These These 74

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Thesenandachten zu Fahrradrallye

25. Mai 2017

Traditionell startet In Hoya an Himmelfahrt die große Fahrradrallye: „Grafschaft Hoya ist mobil!“. So auch in diesem Jahr, als sich knapp 2.000 registrierte Teilnehmer mit ihren Rädern auf den Weg durch die Samtgemeinde Grafschaft Hoya machten. Auf wunderschönen Wegen gab es, an verschiedenen Stationen reichlich zu sehen, zu erleben und ebenso reichliche kulinarische Genüsse.

Der diesjährige Streckenverlauf passierte auch unsere Kirchenkunstaktion „Bilder95Thesen“.

In der Bücker Stiftskirche St. Materniani et St. Nicolai gab es extra zur Fahrradrallye Kurzandachten anhand der ausgestellten Thesenbilder. Der Bücker Pastor Paul-Gerhard Meißner gestaltete, im gegenseitigen Wechsel, mit seinem Eystruper Amtskollegen  Dr. Thies Jarecki kleine Andachten. Die besinnlichen Momente wurden von den zahlreichen Besuchern gerne angenommen. Die Ansprachen, Gebete, Lieder und zugesprochener Segen sowie auch Schweigemomente schufen eine ganz besondere Atmosphäre in der man sich gut erholen und innerlich innehalten konnte. 


Weitere Bilder finden Sie unter dem Menüpunkt: „Galerie: Veranstaltungen“!


Bild: Impressionen aus Bücken

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Vom Kloster und den Thesenbildern...


Wo vor 800 Jahren ein Prämonstratenser-Kloster stand befindet sich heute die wunderschöne Anlage „Forsthaus Heiligenberg“. 

Deren Eigentümer sind sich der geschichtsträchtigen Vergangenheit bewusst. Und so begrüßte Geschäftsführerin Adelheid Brüning kürzlich zahlreiche Gäste zu einem Abend rund um die spannende Geschichte diese Fleckchens Erde. Mit Hartmut Bösche und Prof. Dr. Bernd Hucker gaben zwei Historiker spannende Einblicke in die versunkene Welt des ehemaligen Klosters und dessen Wirken in die Umgebung. 

Die Klosteranlage wurde nach der Reformation abgerissen. 

Mit der Einladung von Hennig Diers zu diesem Abend schlugen die Veranstalter einen künstlerischen Bogen vom Prämonstratenser-Kloster, über die Reformation bis zum diesjährigen Reformations-Jubiläum. 

Henning Diers verstand es, während seiner Vorstellung der Kirchenkunstaktion „Bilder95Thesen“ die Zuhörer in diesen spannende Bilderzyklus mit hineinzunehmen. 

Mit der Einladung zum geplanten Abschluss-Festgottesdienst am 29. Oktober in Wechold, beschloss Hennig Diers seinen Vortrag. Anschließend ergaben sich noch zahlreiche gute und interessante Gespräche mit den Teilnehmern.


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Bild: Kunstaktion trifft Historie

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Besuch aus Brasilien

21. Mai 2017 Eystrup


These 73

„Wie der Papst mit Recht den Bann gegen die schmettert, die mit einigem Geschick etwas zum Schaden des Ablasshandels im Schilde führen,“  […]


Heute feiern die Kirchengemeinden Eystrup und Haßbergen einen gemeinsamen Gottesdienst in der Eystruper Willehadikirche mit Gästen aus Brasilien. Eine Delegation lutherischer ist derzeit im Kirchenkreis Syke-Hoya zu Gast und ist natürlich auch dabei, als heut eHenning Diers sein aktuellstes Bild zum  Reformationsjubiläumskunstprojekt "Bilder95Thesen" vorstellt. Darüber hinaus konnte Pastor Dr. Thies Jarecki heute Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder, vom Kirchenkreis Syke-Hoya, als Gast in Eystrup begrüßen.

Das heutige Thesenbild schlägt eine Brücke. Zum einen in die Vergangenheit, in dem es in der künstlerischen Darstellung auf die vorangegangene These (Nr. 72) blickt. Verlaufende Farbe weist auf die Willkür.

Dem gegenüber steht die Zukunft. Diese versinnbildlicht Henning Diers mit einigem Geschick, indem er Fäden über das Bild spannte und somit Verbindungen schafft. Er wird sogar noch deutlicher in seiner bildhaften Illustration eines Brückenschlages, indem er mit den Umrissen von Matto Grosso (Brasilien) einen künstlerische Bezug zu den heutigen Gästen im Gottesdienst schlägt. Und auch das urchristliche Fischsymbol malte Diers nicht als „klassische“ Fischdarstellung, stattdessen erscheint hier ein Fisch aus der Amazonasregion.

Die mit Farbe angedeutete Willkür „entspannt“ Hennig Diers als er sagt:

"Es gibt bei Gott keine Willkür...!"


Unter dem Menüpunkt "Galerie: Veranstaltungen" gibt es weitere Bilder von heute!

Bild: Impressionen

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Ein Schreihals...


These 72:
"Wer aber seine Aufmerksamkeit auf die Willkür und Frechheit in den Worten eines Ablasspredigers richtet, der soll gesegnet sein.


Henning Diers schreibt in einer Email zu dem Bild:

[...] Das Bild zur 72. These ist recht einfach gehalten, ein durch Flammen brüllender, schreiender Mund : der eines Ablasspredigers. So stellten sich am vergangenen Montag die Jury-Mitglieder in Lüneburg einen Ablassprediger vor, jedenfalls war dieses Bild mein „Sieb-Inhalt“.
Außerdem sieht man auf dem Gemälde eine segnende Hand.
Der veränderliche Teil des Bildes : eine quadratische Pappe, auf der die Hand gemalt ist, lässt sich nach oben umdrehen. Der bisher verborgene Bereich zeigt dann den Wahlverlierer und v.a. Frauen-Verunglimpfer Torsten Albich. Die segnende Hand wird umgedreht zu einer nehmenden ( Geld, Macht ? ) Hand.
Im Gottesdienst ging es thematisch um Frauen in der Reformationszeit. Deshalb die Verbindung der These mit dem Frauen+ Gleichbrechtigungs-Thema. Ich habe ausserdem den Thesentext „gender-bereinigt“ vorgetragen... [...]



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Bild: Ausschnitt These 72

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These 71:

"Wer gegen die Wahrheit der apostolischen Ablässe redet, der soll gebannt und verflucht sein."

Die Elemente des Bildes:

  • Ein schwebendes Kreuz
  • Eine Kapelle, die an einem Faden hängt
  • Ein Faden der kreuz und Kapelle verbindet
  • Eine weiße, halbseitig das Bild bedeckende strukturierte Fläche 


Am 31. Oktober 1517 schlug der Überlieferung zufolge, Martin Luther - damals noch Priester und Augustinermönch - seine berühmten 95 Thesen "Über Wert und Kraft der Ablässe" an das Tor der Schloßkirche zu Wittenberg. Darin protestierte er gegen ein veräußerlichtes Bußverständnis, das sich im Ablasshandel Ausdruck verschaffte. - Unerleuchtete Kirchenvertreter hatten aus dem Ablass ein Geschäft gemacht. Besonders der Ablassprediger Johannes Tetzel spielte hier eine unrühmliche Rolle. - " Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele [eines Verstorbenen im Fegefeuer] in den Himmel springt", lautete sein Werbeslogan. Hier wurde so getan, als ob man allein durch den Kauf eines Ablassbriefes Vergebung erlangen und in den Himmel kommen könne. Zu Recht empörte Luther sich über ein so primitives Glaubensverständnis: "Unser Herr und Meister Jesus Christus wollte, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei"(These 1). Mit anderen Worten: Buße muss ein existentieller Akt sein, eine Gesinnung in der Tiefe der Person, ansonsten ist jedes äußere Bußwerk umsonst getan.Der Ablasshandel stellte einen bedauerlichen Mißbrauch des Ablasses dar. Nun gilt allerdings der Grundsatz: "Abusus non tollit usum": Der Mißbrauch einer Sache hebt ihren richtigen Gebrauch nicht auf. 

Auch Luther räumte in seinen "95 Thesen" ein: "Wenn der Ablass im Geiste und im Sinne des Papstes gepredigt würde, so ließen sich diese Einwände alle leicht entkräften, ja sie kämen gar nicht erst auf“.

Fragen wir also: Worum geht es beim rechten Verständnis des Ablasses?

Die theologische Definition des Ablasses lautet: Der Ablass ist ein Nachlaß zeitlicher Strafen für Sünden, die hinsichtlich der Schuld von Gott bereits vergeben worden sind.

Der Ablass gehört zur Bußpraxis der Kirche. Die Kirche tritt für den Gläubigen, der im Bußsakrament mit Gott versöhnt wurde, ein, dass er von Strafen, die er sich durch seine Schuld möglicherweise zugezogen hat, befreit werde.

Quelle: http://catholic-church.org/ao/ps/ablass.html


Und damit sind wir bei der Deutung des Bildes. Ich (die Autorin) lege es wie folgt aus:


Christus starb am Kreuz für unsere Sünden. Durch seinen Tod sind wir errettet. Von daher kann jegliches tun nur Symbolcharakter haben, aber niemals die ehrlich Buße und damit Hinwendung zu Gott ersetzen. Gott errettet alleine durch seine unverkäufliche Gnade! 

Das gilt für alle Menschen.

So steht, oder besser gesagt hängt hier im Bild also die Kapelle an einem seidenen Faden der vom Kreuz herunterhängt. Ohne Kreuz keine Gnade und keine Errettung. 

Der linke Teil des Bildes wird von einer hellen Fläche eingenommen. Diese Fläche steht sinnbildlich für die Wüste. Das bezieht sich auf ein Versöhnungsritual aus 3. Mose 16. Der Bock der mit den Sünden und Verfehlungen der Menschen in die Wüste gejagt wurde, ist nicht mehr nötig. 

Christus ist das größte Opfer. Er hat unsere Sünden getragen (Jesaja 53, 1-12).

In Römer 5, 8-11 lesen wir: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn gerettet werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind. Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“


Ohne das Kreuz, ohne Jesus, ist alles nichts.

Mich begeistert das unendlich!


Bild: Bildausschnitt These 71

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