BILDER95THESEN

95 Bilder in 95 Wochen zu 95 Thesen: Das ist die Kirchenkunst-Aktion des Künstlers Henning Diers. Beginnend in den Kirchen der Samtgemeinde Hoya und in Haßbergen, wächst dieses Kunstwerk in die Welt.

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Von Ablassgnaden, sakramentaler Satisfaktion und Treibhausgas

These 34 - 21. August 2016


Denn jene Ablassgnaden betreffen nur die Strafen der sakramentalen Satisfaktion, die von Menschen festgesetzt worden sind.

Im schönen und gemütlichen Rahmen der ersten „Thesen-Radtour“ präsentierte Henning Diers sein neuestes Bild. 

In einer kurzen Andacht Arbeit der Eystruper Pastor Dr. Thies Jarecki die in dieser These wichtigen Punkte heraus:

Zum einen betreffen die Ablassstrafen nur die Strafen, die der Mensch festgelegt hat. Das hat also nichts mit der göttlichen Vergebung zu tun. (Ablassgnaden)

Zum anderen geht es in der These um die Strafen die auferlegt werden, damit man weiß das man was getan hat, und sich den Straferlass erarbeitet hat, um sich hinterher besser zu fühlen. (Sakramentale Satisfaktion)

Henning Diers setzt dies in seinem Bild anhand der grafischen Darstellung des Handels mit Emissionszertifikaten um. 

Diers: „Wenn heutzutage ein Industrieunternehmen die Umwelt durch, beispielsweise den Ausstoss von Kohlenstoffdioxid belastet, bekommt es ein sogenanntes Umweltzertifikate das zur Emission einer bestimmten Menge berechtigt. Die Verschmutzung wird politisch in einem konkreten Gebiet und einem ebensolchen Zeitraum festgelegt. Die so definierte Obergrenze wird dann schrittweise reduziert. Diese Zertifikate kosten Geld und sind frei handelbar. Kurz gesagt gibt es also einen Markt für Verschmutzungsrechte. Dabei übernehmen die Firmen mit den geringsten Reduktionskosten die Anteile deren denen die Reduktion am schwersten fällt. Das bedeutet das die Emissionsreduktion wirtschaftlich, weil kostengünstig erreicht wird.“

Der Künstler geht noch einen Schritt weiter: „Reduzieren Unternehmen ihre Emission durch den Aufbau von Solaranlagen, die irgendwo auf der Welt installiert werden, senken die Unternehmen ihren Schadstoffaustausch. Sie kaufen sich, durch die Hintertüre, ein Stückchen Freiheit. Freiheit von Kosten, von aus ihrer Sicht unnötigen finanziellen Belastungen.“ 

„So übertünchen sie ihren Schadstoffbeitrag und tun so als sei alles in bester Ordnung. Nur wer einen Blick dahinter wirft, sieht das es eben nicht in Ordnung ist.“ 

Mit dem finanziellen Aufwand kaufen sich Unternehmen also ein Stück Ablassgnaden zur eigenen sakramentalen Satisfaktion…


Bild: These 34 in Hassel - 21.08.2016

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Kirchenkunst mit dem Fahrrad entdecken

Erste Thesen Radtour war ein voller Erfolg 


Am Anfang war der Regen. Doch der blieb nicht lange. Immerhin trafen sich in Eystrup dreizehn freundliche Menschen, um sich auf die erste Thesen-Radtour zu begeben. Gut 30 Kilometer lang war die Tour die vor den Teilnehmern lag. 

Der Regen verzog sich und die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die Wolken. Sonne und Wind waren dann auch stete Begleiter der Radtour. 

Unterwegs steuerten sie die Kirchen in Wechold, Hoya und Hassel an. Hier nahmen sich die Teilnehmer Zeit, um sich mit den eigenen, aber auch mit den theologischen und künstlerischen Aspekten der bisher entstandenen Thesenbilder auseinanderzusetzen. 

Mit von der Partie war Gästeführerin Ursel Schweneker die unterwegs die Tour mit historischen Erklärungen bereicherte. Ebenfalls mit dabei und zuständig für die theologischen Ausführungen zu den einzelnen Thesen war der Eystruper Pastor Dr. Thies Jarecki. 

Künstler Henning Diers gab in seinen Erzählungen zu den Bildern einen zum Teil sehr persönlichen Einblick in sein künstlerisches Schaffen. 

Den würdevollen Rahmen nutze This Jarecki dann auch gleich, um Ortrud Hecht, Vorsitzende des Kirchenvorstands Wechold, die Tafel zur „Kultur-Kirche“ zu überreichen.

Selbstverständlich gab es nicht nur theologisch, kunstvolle Kost sondern auch ein sehr gemütliches Kaffeetrinken im Wecholder Gemeindehaus, wo die Reisenden schon mit frischem Kaffee und selbstgebackenem kuchen erwartet wurden.

Mit einer Andacht und der Vorstellung des nunmehr 34. Bildes beendeten die Teilnehmer diese erste „Thesen-Radtour“ in der Hasseler Kirche, wo Pastorin Karin Haufler-Musiol noch für einen gemütlichen Abschluss mit einer kleinen kulinarischen Überraschung sorgte.

Nach dem guten Erfolg dieser Tour sind weitere Radtouren durchaus möglich, erklärten die Organisatoren. 


Hinweis: Weitere Bilder der Tour sehen Sie unter: "Galerie: Veranstaltungen"

Bild: Impressionen der "Thesen-Radtour"

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Auf zur ThesenRadtour!

Am kommenden Sonntag, 21. August sind alle Fans der Kirchenkunstaktion: „Bilder95Thesen“ eingeladen, mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour zu gehen.

Beginnend um 13.30 Uhr in Eystrup am Gemeindehaus, geht es von dort aus über Wechold und Hoya bis nach Hassel. Gästeführerin Ursel Schweneker ist mit von der Partie und weiß unterwegs sicherlich so einiges zu erzählen. Für die theologischen Hinweise ist Pastor Dr. This Jarecki zuständig. Auch der Künstler Henning Diers ist mit dabei. Unterwegs können sich die Tourteilnehmer an Kaffee und Kuchen stärken.

Wer nicht die ganze Tour mitfahren möchte, kann sich in Wechold gegen 15 Uhr und in Hoya um zirka 16.30 Uhr der Tour anschließen. Hassel wird etwa um 17.30 Uhr erreicht. Hier dürfen sich die Beteiligten auf das neueste Thesenbild und eine Andacht freuen. 

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Bild: Anette Steuer

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Am Abgrund…

Zur 33. These


Ein Mann steht am Abgrund. Hinter ihm geht es steil bergabwärts. Er hält sich an einer Art Seil fest. Schaut man genau hin, erkennt man, dass das Seil aus Geldscheinen besteht. Die Scheine werden dabei von einem Pechstreifen zusammengehalten.

"Hält das?", mag sich mancher Betrachter gefragt haben, als er vor dem neuesten Thesenbild stand. 

Im Kulturgottesdienst in Hoyerhagen stellte Henning Diers sein aktuelles Kunstwerk vor. Das Thema des Gottesdienstes rankte sich um „Hände".

Beginnend mit dem alten Klassiker „Sind so kleine Hände…“ aus dem Jahre 1979, von Bettina Wegner, begann ein Abend rund um Hände und deren helfende, heilende aber auch zerstörerische und tödlichen Möglichkeiten.

Da passt es ganz gut das sich dieser Mensch auf dem Bild zur 33. These scheinbar verzweifelt an Geld festklammert, was sich letztlich doch als Trugschluss herausstellen sollte…

…hinter dem Menschen schwebt die Hand eines anderen. „Der Auferstandene hält seine Hand helfend den Menschen hin. Er ist der einzige der Sicherheit schenken kann“, so Diers.

Hilfe, Versöhnung mit Gott und ewiges Leben kann man nicht kaufen. Nie. Diese unermesslich wertvollen Gaben sind Geschenke Gottes an uns Menschen. 

Das stellte Luther in eben dieser, 33. These, unmissverständlich fest:

„Ganz besonders in Acht nehmen muss man sich vor denen, die sagen, jene Ablässe des Papstes seien jenes unschätzbare Geschenk Gottes, durch das der Mensch mit Gott versöhnt werde.“

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Bild: Bildausschnitt These 33

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Gedanken zur These 32


In Ewigkeit werden diejenigen mit ihren Lehrern verdammt werden, die glauben, dass ihnen aufgrund der Ablassbriefe ihr Heil sicher ist. (These 32)

 

„Licht und Schatten.“

Das war der erste Kommentar zum neuen Bild von Henning Diers, ganz spontan, von denen, die vorn in der Eitzendorfer Kirche saßen. 

„Licht und Schatten.“ 

Ich musste erst zweimal hinschauen. Es stimmt: Da sind zwei Bereiche. 

Ein dunkler, in der oberen Hälfte. 

Und ein heller, unten. Aber auch in dem gibt es dunkle Umrisse. 

Spannend: Man sieht Menschen von oben. 

Als ständen die Betrachtenden auf einem Kirchturm und schauten in die Fußgängerzone. 

Noch deutlicher als die Menschen sind die Schatten zu sehen, die sie werfen. 

In den vorigen Thesen ging es oft um Priester und Bischöfe. 

Aber jetzt wird das Volk angesprochen, mit seinen Lehrern. 

Von wem lassen wir uns belehren? Wem folgen wir? 

Trauen wir uns, aus dem Schatten unserer Lehrer herauszutreten?

Uns nicht einfach von anderen vorgaukeln und vorgoogeln zu lassen, was wir wissen und denken sollen, sondern das selbst zu tun? 

Es ist bequem, sich auf Ablassbriefe zu verlassen: „Der Priester hat gesagt, dass ich entschuldigt bin.“ Aber das ersetzt nicht das eigene Gewissen und das eigene Denken. 

Es ist bequem, in der Masse mitzulaufen. Aber es enthebt mich nicht der Verantwortung, meinen eigenen Weg zum Heil zu finden. 

 

Von Pastorin F. Werber

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Bild: Detailaufnahme ThesenBild 32

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Illegaler Thesenanschlag in Eitzendorf?

Die Kirchentür in Eitzendorf ist verschwunden. Stattdessen fand unsere Thesen-Fotografin eine professionell verschlossene Kirche vor. Holzplatten verhindern jedes Eindringen in die heiligen Räume.

Das lässt nur einen Schluss zu:

Jemand hat - vermutlich bei Nacht und Nebel - versucht seine theologischen Thesen an die Eitzendorfer Kirchentür zu nageln…

Man erinnere sich, was alten Erzählungen zufolge 1517 in Wittenberg geschehen sein soll: Dr. Martin Luther höchstselbst soll dort des Nächtens mit Thesen, Hammer und Nagel ‚bewaffnet‘ sich an der Wittenberger Kirchentür zu schaffen gemacht haben. 

Und nun? Gab es einen Trittbrettfahrer in Eitzendorf? Einen Nachahmungstäter? Der Verdacht liegt nahe!

Sollte hier etwa ein Theologe seine von ihm verfassten Thesen hier an dieser Türe genagelt haben? Nun sollte dem so gewesen sein, dürften diese Thesen niemandem gefallen haben! Denn, wie man unschwer erkennt, die Tür ist weg...

Waren die Thesen von Eitzendorf so schlimm, dass man sie komplett mit Tür entfernen muss? Welch theologisch aufmüpfiger Mensch hat hier wohl seine Thesen angeschlagen? Wer wollte hier neue Ideen verbreiten, gar zur Reformation aufrufen??

Und wer ist dafür verantwortlich dass die Kirchentür verschwunden ist? Fragen über Fragen.

Unsre Fotografin hat selbstverständlich sofort die Spur aufgenommen.

Also, werte Leserschaft: "Bleiben Sie dran! Verpassen Sie keine Folge!“

Wir versprechen rückhaltlose Aufklärung!!

"Das Rätsel wird gelöst!“

Versprochen

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Bild: War hier ein Nachahmungstäter am Werk?

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These 31 - Ein Naturerlebnis..

Hinter der Kirche, im Wald, auf einer Lichtung. Zaghaft versucht die Sonne sich durch die dunklen Wolken am Himmel hindurchzukämpfen.

Menschen folgen den Pfaden über den alten Friedhof. Versammeln sich im Wald. Die Lichtung füllt sich. Glocken läuten übers Land. Immer mehr Menschen kommen auf der Lichtung zusammen. Ein Feuer wird angezündet. Man lässt sich in einem großen Kreis auf Bänken nieder.

Hier in Magelsen ist alles für eine ganze besondere Andacht vorbereitet und bei den Magelsern steht es außer Frage, dass die Veranstaltung hier im Wald, eine gute Runde wird. Das leichte Nieseln sorgt daher kaum für besorgte Gesichter. Immerhin soll hier eine Andacht gefeiert werden. Und siehe da, das Achtzehnuhrläuten verklingt gerade in der Luft, als der Nieselregen sich verzieht. Man hat hier einen guten Draht nach oben.

Verpflegung und Musik sind ebenfalls bereit. Das Musikerduo "Tito und sein Holzbein" sorgt für erdigen Sound und untermalt konzertant die Andacht, die sich um die 31. These rankt. Und so steht die Enthüllung des Bildes zur aktuellen These, ebenso wie die Musik, im Mittelpunkt dieser Outdoor-Veranstaltung.

Doch bevor die These, die noch verhüllt auf ihrer Staffelei steht, ausgepackt wird genießen die Besucher ein kleines Konzert mit handgemachter Musik.

Dann übernahm Pastorin Friederike Werber das Mikrofon und widmete sich der 31.These:

"So selten einer wahrhaftig Buße tut, so selten erwirbt einer wahrhaftig Ablässe, das heißt: äußerst selten.“

Henning Diers erklärt, nachdem er das Bild ausgepackt hat, sein Gemälde. „Es geht um alte Traditionen und um, Luthers Meinung nach, fragwürdige Wege zur Buße." 

Auf dem Bild sind nicht nur Steine, die stilistisch für Teile eines alten Kreuzgewölbes stehen und ein angedeuteter Kreuzgang ist ebenfalls zu sehen. Beides steht stellvertretend für alte Traditionen, aber auch für den Begriff Einkehr. Nur durch Einkehr wird Buße möglich. Mit der symbolischen Darstellung eines derzeit aktuellen Handyspiels hin, weist der Künstler auf die Ablenkung hin, die bei echter Buße nicht hilfreich ist. 

Pastorin Werber schließt mit ihren Worten hier an: "Wer abgelenkt ist, kann sich nicht auf sich konzentrieren. Man ist dann nicht bei sich. Ständig ist man mit anderem beschäftigt. Doch was passiert, wenn man sich nicht ablenkt? Wen trifft man da? Landet man dann nicht bei sich? Und ist man dann nicht sehr plötzlich gezwungen sich mit sich selbst zu beschäftigen? Plötzlich sieht man sich. Sieht sein eigenen Fehler und Defizite.“ „Sind da Ablenkungen dann nicht doch besser?“, fragt sie. Und weiter: “Worauf konzentrieren wir uns eigentlich? Ständig werden wir abgelenkt und müssen irgendwelche Aufgaben erledigen. Wie leben wir dann?" Die Pastorin nimmt das Thema Kreuzgang auf und erklärt das früher der Kreuzgang die Verbindung zwischen den einzelnen Klostergebäude war. Hier begegnete man sich. "Wollen wir heute überhaupt noch echte Begegnungen?" Und weiter: "Werden wir bei Begegnungen nicht auch oft hinterfragt? Wollen wir das? Wer hinterfragt wird, muss sich auch mit sich auseinandersetzen. Und nur wer sich darauf einlässt, sich hinterfragt, nur der kann ehrlichen Herzens seine Schuld bekennen und Buße tun."


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Bild: Impressionen der "Waldandacht"

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Thesen im Urlaub...

Die Urlaubszeit hat dann doch auch hier auf dieser Seite Einzug gehalten. Das wiederum hatte zur Folge das Sie bis heute auf die Thesenbilder Nummer 29 und 30 warten mussten.

Doch jetzt ist es soweit!

Heute präsentieren wir Ihnen, in unserer Thesenbilder-Galerie, diese beiden Kunstwerke.

Und darum geht es:

These 29: „Wer weiß denn, ob alle Seelen im Fegfeuer losgekauft werden wollen, wie es nach der Erzählung bei den Heiligen Severin und Paschalis passiert sein soll.

These 30: „Keiner hat Gewissheit über die Wahrhaftigkeit seiner Reue, noch viel weniger über das Gewinnen vollkommenen Straferlasses.

Für’s erste lassen wir die Texte mal so stehen und sie haben die Chance sich Ihre eigene Gedanken zu dazu zu machen.


Über sachdienliche Hinweise zu den Heiligen Severin und Paschalis freuen wir uns… ;-)


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Bild: Bildausschnitt These 30

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These 28

Premiere: Die Schweringer Kapellengemeinde ist die erste aktive Patengemeinde, die damit ab sofort ein Teil der Kirchenkunstaktion ist!!

Also: „Herzlich Willkommen!!!“

Gut gelaunt begrüßt Pastor Jann-Axel Hellwege an diesem sommerlichen Tag seine Gemeinde. Und schnell ist klar das sich nicht nur Hellwege über die Kirchenkunst freut, sondern auch die ganze Gemeinde. Sie sind am 7. Sonntag nach Trinitatis in der Schwinger Kapelle live dabei, als der Künstler Henning Diers das Bild zur These 28 vollendet.

Bevor wir uns heute dem Bild widmen, werfen wir zuerst einen Text auf die These 28:

„Das ist gewiss: Fällt die Münze klingelnd in den Kasten, können Gewinn und Habgier zunehmen. Die Fürbitte der Kirche aber liegt allein in Gottes Ermessen.“

Die These wird unter anderem durch die Worte 'Gewinn' und 'Habgier' bestimmt. Diese wiederum folgen der 'Münze'. „Folgerichtig gehören für mich Münzen, also echtes Geld auf das Bild", sagt Henning Diers und verweist darauf das auf dem Bild Münzen und geschredderte 20-Mark-Scheine zu finden sind. Darüber hinaus erzählt er der Gemeinde das dieses Kunstwerk bereits in Ansätzen auf der Insel Spiekeroog entstand. „Im Rahmen einer Veranstaltung der dortigen evangelischen Kirche lud ich die Anwesenden ein sich Gedanken über die 28. These zu machen. Dabei entstanden kleine Fürbittentexte, die die Menschen an dem Abend formulierten. Diese Texte wurden gerollt und sind nun Bestandteil des Bildes", erklärt der Künstler.

 „Hier stellen die Fürbitten eine Art Barriere gegen die 'Geldflut' dar, die durch die Münzen und geschredderten Scheine verdeutlicht wird“, erklärt der Künstler der Gemeinde.

Mit den Spiekerooger Fürbittentexten widmet sich Diers dem zweiten Teil der These, der durch die Worte ‘Fürbitte' und ’Gottes Ermessen’ bestimmt wird. 

Nun schlägt Diers einen weiten Bogen zurück in die Zeit vor Luther und er stellt der Gemeinde den tschechischen Reformator Jan Hus vor. Hus wird gemeinhin als Vorreformator bezeichnet. Geboren wurde er um 1372 in Südböhmen. Um 1400 wurde er in Prag zum Priester geweiht. Seine Predigten wiesen sehr früh kirchenkritische und reformorientierte Züge auf. Er lies sich von den Lehren John Wyclifs inspirieren, der die Überzeugung vertrat, dass die Bibel als einzige Autorität in Glaubensfragen anzuerkennen ist. Damit stellte sich Wycliff und dann später eben auch Hus gegen den Absolutheitsanspruch des Papstes. Es kam wie es kommen musste: Auf der einen Seite wurde Hus’s Sympathisanten immer mehr und auf der anderen Seite gab es zunehmende Ärger mit der Katholischen Kirche. 1411 schließlich verhängte Papst Johannes XXIII. (* 1370 - † 1419) den Kirchenbann über Hus. 1414 reiste Hus auf Drängen König Wenzels und König Sigismunds und unter Zusicherung freien Geleits zum Konstanzer Konzil. Dort erfolgte nur wenig später seine Verhaftung. Am 6. Juli 1415 wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 

Von Hus wird sich folgende Legende erzählt: Vor seiner Hinrichtung soll Hus gesagt haben: „Sie werden jetzt eine Gans braten aber über hundert Jahren werden sie einen Schwan singen hören, den sollen sie leiden. Da soll’s auch bei bleiben, ob Gott will.“ 

Um jetzt den Bogen wieder, vom Jahr 1415 ins Jahr 2016 und zum 28. Thesenbild zu schlagen, muss man wissen das Hus auf tschechisch „Gans“ bedeutet und der Schwan im christlichen Kontext für Martin Luther steht.

Und genau so einen Schwan findet sich an zentraler Stelle im Bild. Das Tier thront auf einer sogenannten Pricke, also einer Fahrwassermarkierung, wie sie beispielsweise vor den Inseln in der Nordsee zu finden sind. Bei der abgebildeten Pricke (oder auch Prigge) handelt es sich um die Steuerbordseitige (von See kommend) in den Grund gesteckte Stangen, an deren oberen Ende oben zusammen gebundene Zweige, die unten auseinander gebogen sind, befestigt wurden (spitze Form). Sieht man diese auf der in Fahrtrichtung rechten (Steuerbordseite) des Schiffes ist man auf dem Weg in den Hafen. Henning Diers: „Die Pricke dient also als Leitpfahl, als Wegweisung.“

Genau wie Luther mit seinen Schriften auf Gott hinweist, so weist die Pricke den Weg in den sicheren Hafen, in Gottes Herrschaftsbereich.

So ist das Bild zur heutigen These 28 letztlich ein wunderbarer Hinweis auf Gott. 



Übrigens: Auf 82 Kirchen in Ostfriesland und im Oldenburgischen findet sich der Schwan anstelle eines Wetterhahnes auf der Kirchturmspitze - Jetzt wissen Sie warum.

Bild: Weitere Bilder in der Veranstaltungsgalerie

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These 27

"Lug und Trug predigen diejenigen, die sagen, die Seele erhebe sich aus dem Fegfeuer, sobald die Münze klingelnd in den Kasten fällt."

Der Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis beginnt in Wechold mit festlich, fröhlicher Klavier- und Flötenmusik. Pastorin Friederike Werber begrüßt die Gemeinde und kündigt auch gleich das neueste Thesenbild an. 

Dem aufmerksamen Betrachter und "Follower" unserer Kirchenkunstaktion fällt allerdings sofort auf das kein Bild zu sehen ist. Stattdessen sind auf einer großen Leinwand die bisherigen Bilder zu sehen. Sie reihen sich aneinander und stellen so den Anfang des ganz großen abschließenden Kunstwerks dar. 

Und wo ist jetzt das Bild?

Tja, während die Gemeinde in der Wecholder Kirche sitzt, befindet sich Henning Diers auf Spiekeroog. Hier liegt der Künstler nicht faul am Strand, sondern stellt dort derzeit einen anderen Bilderzyklus aus.

In einer Videobotschaft wendet er sich jedoch an die Gemeinde. Untermalt wird das ganze von im Hintergrund kreischenden Möven. Strand- und Urlaubsfeeling schwappt von Spiekeroog hinüber, in die Wecholder Kirche. 

Henning Diers übernimmt in seiner Videobotschaft die Einleitung, um damit auf das Bild hinzuführen: „Freiheit, Respekt, Natur, Verantwortung  stehen in einer Reihe mit Begriffen wie Ethik und Moral, die unser Denken und Handeln in einen Rahmen der gegenseitigen Achtung bringt." Dieses wertet Henning Diers als eine Art Gebot. "Demgegenüber steht der von uns selbst dachte Versuch Handeln zu rechtfertigen und uns selbst zu entschuldigen." Und Diers geht noch einen Schritt weiter: "Gier, Missgunst, Dummheit und Ungerechtigkeiten  stehen ebenso auf der anderen Seite wie Rassismus und Gewalt.“

Henning Diers sagt in seiner Botschaft: "Dieser Gedanke, dass sich Fehl und Tadel mit Geld ausbügeln lässt, erweist sich hier als Irrglaube! Denn wer sich versucht aus der  Verantwortung zu stehlen, beziehungsweise sich "freizukaufen" betrügt sich letztlich selbst." 

Pastorin Werber fragt: "Worauf haben wir gebaut? Was ist unser Fundament?" In ihrer Predigt zieht sie Parallelen zwischen Taufe, Lebensgestaltung und These. "Sind wir nicht in den Tod Christi getauft? Und wer mit ihm in seinen Tod getauft ist, ist auch auf dem Weg mit Gott ins ewige Leben."

Dann erscheint auf der großen Leinwand in der Kirche das aktuelle Thesenbild, um das was heute geht. Es zeigt die für die Inseln typischen rotgepflasterten Steinwege, die durch den Sand, die Dünen im Binnenland der Inseln führen. Auf dem Bild ist auch ein Fußabdruck zu erkennen. In dem Bild sind versteckte Prestigeobjekte zu erkennen. Die gemalten Steine beinhalten beispielsweise einen Ring oder eine Computer. Diers zieht zwischen den von Menschenhand geschaffenen Steinen und den Statussymbolen eine Parallele. „Sind zum einen die Steine hier im Bild dazu da, um Bequemlichkeit zu ermöglichen und keinen Raum für die unbändige Natur zu lassen, die sich ja der Bequemlichkeit unterordnen muss, so verhält es sich mit den Statussymbolen ähnlich. Sie stellen als käufliche Dinge eine Art Vertuschung und Ablenkung von unserer Schwäche dar.“ Er ergänzt: „Das ist auch ein Versuch sich aus der eigenen Verantwortung zu stehlen. Aber das wird nie funktionieren.“

Und so sind wir als Menschen jeden Tag aufs Neue gefordert uns zu entscheiden. „Wie wollen wir leben? Ehrlich, dass heißt auch mit Schwäche, mit Schuld, mit Versagen?“

Pastorin Werber, geht in ihrer Predigt darauf ein: "Es ist jeden Tag unsere eigene Entscheidung ob und wie weit wir Christus in unserem Leben folgen. Wieweit wollen wir jeden Tag mit Christus leben? Zeichen setzen im Glauben? Zeichen setzen im Leben? Wollen wir das? Wollen wir aufrecht leben? Und wenn es daneben geht? Wenn wir im Laufe eines Tages falsche Entscheidungen treffen? Selbst dann, in Situationen in denen wir wissen das wir daneben liegen, in exakt diesen Situationen sind wir in Christus. Er steht zu uns. Unveränderlich. Immer!"

Seine Liebe und Vergebung ist nicht käuflich. Sie ist ein Geschenk.

Bild: Die "These" auf der Insel...

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