BILDER95THESEN

95 Bilder in 95 Wochen zu 95 Thesen: Das ist die Kirchenkunst-Aktion des Künstlers Henning Diers. Beginnend in den Kirchen der Samtgemeinde Hoya und in Haßbergen, wächst dieses Kunstwerk in die Welt.

1454760236.xs_thumb-

"Herr Käthe" war dabei

Aus Vertrauen leben: Gottesdienst zum Reformationsjubiläum


"auf.Recht" , so der Titel eines sympathischen Gottesdienstes der jetzt in der Kirche in Magelsen ausgerichtet wurde.

Die Verantwortlichen nahmen das Reformationsjubiläu zum Anlass, einmal einen Blick auf die Frauen in Verbindung mit der Reformation zu werfen. 

Und dabei traf dann Katharina von Bora ganz unprätentiös, aber eben sehr sympathisch auf Frauen von heute.


Und dann übernahm sie, gemeinsam mit Pastorin Friederike Werber noch die Aufgabe Henning Diers nach Wittenberg zu schicken.

Henning Diers bekam im Gottesdienst einen Brief der Gemeinde, mit vielen Unterschriften der Gottesdienstteilnehmer, mit auf den Weg, um sich in der Lutherstadt Wittenberg hinlänglich zu legitimieren. Dort wird das nächste Thesenbild (Nr. 85)  für Magelsen entstehen. 


„So, geht! Geht mit Gott, aber geht!“


Im Anschluss an den Gottesdienst gab es noch für alle die wollten einen guten, angemessenen Humpen Bier…

…natürlich „Herr Käthe Bier“. 


1503081239.medium

Bild: "Herr Käthe..."

1454760236.xs_thumb-

Lug und Trug und Schall und Rauch!

Frage im Gottesdienst an die Besucher: „Wo steht die Liebe höher als das Geld?“

Und damit geht die Aufforderung an die Besucher, dass wer mag, seine Gedanken auf das Bild schreibt. Einige trauen sich und schreiben etwas auf. Spannende Gedanken. Gedanken die von Beziehungen handeln, von Schöpfung erleben und Nächstenliebe.

Um was geht es heute?

Werfen wir zunächst einen Blick auf die These: 

These 84: „Wiederum: Was ist das für eine neue Barmherzigkeit Gottes und des Papstes, dass sie einem Gottlosen und einem Feindseligen um Geldes willen zugestehen, eine fromme und Gott befreundete Seele loszukaufen? Gleichwohl befreien sie diese fromme und geliebte Seele nicht aus uneigennütziger Liebe um deren eigener Not willen.“

Worum geht es? Es geht scheinbar um’s Geld. Nicht um Nächstenliebe…

Mit Geld kann man hypothetisch alles kaufen. Versicherungen, um sich abzusichern und um sein Recht durchzuboxen. Man kann sich sein Leben angenehm gestalten. Essen, so viel wie man will, Luxus in und auf jede Art. Posten, Positionen, Macht und ein kleines bisschen fades Sein ist käuflich. 

Aber nicht von Dauer… das Herz giert immer nach mehr. Kein Frieden und schon gar kein zufrieden sein…

Aber was ist wenn dieses Geld mal nichts mehr bewegen kann? Für Geld gibt es nämlich keine echten Freunde, keine Gesundheit, keine einzige Sekunde mehr vom Leben.

Und auch Frieden innerer und äußerer Frieden ist nicht käuflich. 

Plötzlich ist Geld nur noch Schall und Rauch. 

Pastorin Melanie Simon geht in ihrer Predigt auf die ebendiese vermeintliche Sicherheit durch Geld ein. Sie berichtet von Pilgern die ihre Sicherheit loslassen, um auf dem Pilgerweg auch die eigene Verletzlichkeit und Abhängigkeit zu erfahren. 

Währenddessen malt Henning Diers seine Sichtweise der 84. These.

Ein mit Geld beklebter Papierwürfel im Bild, der noch dazu mit Worten wie „Rente“ und „Versicherungen“ beschrieben ist fällt während des Malprozesses (planmäßig) in sich zusammen. Das Bild wird dunkel. Aber am oberen Rand erscheint etwas Helles, eine Art Schale. Henning Diers sagt später dazu: „Geld, Versicherungen und eben die Rente sind nicht sicher. Sie bieten nicht haltbares. Sie fallen letztlich in sich zusammen. Es bleibt, wie im Bild zu sehen, nur ein Haufen übrig… Nichts was Substanz hat.“

„Das unerwartete Andere, das Helle, findet sich an anderer Stelle“, führt Diers aus. „Die Fülle ist woanders.“ (Im Bild ist sie oben…!)

Und das wusste Luther natürlich auch.

Die Fülle ist woanders.

Seelenheil gibt es für kein Geld der Welt. Und doch wurde genau damit gehandelt. 

Purer Eigennutz führt oftmals dazu das sich Menschen zum Kauf des Ablasses hinreißen ließen. 

„Fegefeuer? Nein danke…“

Lug und Trug. 

Gnade ist bei Gott. 

Und die ist nicht käuflich.  Definitiv nicht. 

Die gibt es umsonst. 

Bei Gott.

1502467757.medium

Bild: Aus dem Gottesdienst mit Livemalerei

1454760236.xs_thumb-

These 83, Teil 2.


Die These Nummer 83:

Wiederum: Warum bleibt es bei den Messen und Jahrgedächtnissen für die Verstorbenen, und warum gibt er die dafür eingerichteten Stiftungen nicht zurück oder erlaubt deren Rücknahme, wo es doch schon Unrecht ist, für [vom Fegfeuer] Erlöste zu beten?



Dominiert wird das Bild zur aktuellen These durch die in einzelnen Fächern stehende Figuren. "Von der obersten Figur, die den Papst darstellt, winden sich ornamentierte Bänder zu schemenhaft angedeuteten Menschen hin. Diese durch helle Umrisse gekennzeichneten Menschen sind Seelen, die mit dem Papst verbunden sind, die re auch nicht loslässt“, sagt Henning Diers erklärend zu seinem Bild.

Unterhalb des Papstes stehen, entsprechend der mittelalterlichen Ständeordnung verschiedene Figuren.


Erklärung: 

Die im Mittelalter verbreitete Ständeordnung orientierte sich am französischen Vorbild und umfasst eigentlich drei Stände: Die Geistlichkeit, den Adel und die freien bauen (später auch Bürger).

Die weitere Gliederung richtet sich nach der Art des Broterwebs (Handel/Handwerk), dem Stand innerhalb einer Familie (Patriarch, Ehestand, Knecht) und die Rechte, die jemand hat (Bürger/Häusler).

Mit seinen dargestellten Ständen verweist Diers auf den „Aufstieg“ den Luther vollzog, in dem er in den Stand der geistlichen Obrigkeit hinauf wechselte. Luthers Vater war ursprünglich Bauer, der später zum Ratsherren aufstieg. Ein Wechsel der Stände war jedoch in der Regel mit hohem finanziellen Aufwand verbunden.


Henning Diers widmet sich in seinem Bild zum einen der scheinbar untrennbaren Zwangsverbundenheit der Seelen mit dem Papst und zum anderen den mittelalterlichen Einordnungen der Menschen. Das Freikaufen der Seelen und/oder Wechseln der Stände versinnbildlicht er mit einem zu einem Herzen geformten Centstück im oberen Bildteil das als eine Art Tor gehalten ist. 


Bild: Bildausschnitte These 83

1454760236.xs_thumb-

Bierzeltgarnitur statt Kirchenbank - Gottesdienst im Wald

These 83, Teil 1.

Einen Freiluft-Gottesdienst mit musikalischer Begleitung gab es jetzt in Magelsen. Und so versammelten sich die Gläubigen auf einer kleinen Lichtung in dem gemütlichen Wälchen hinter der Kirche.

Tatkräftige Helfer der Kirchengemeinden Eitzendorf und Magelsen hatten alles für einen gemütlichen Freiluft-Gottesdienst vorbereitet. Auf dem weiten Rund der Lichtung standen Bierzeltgarnituren für die Besucher bereit und während sich die ankommenden Gäste dort Plätze suchten, wurde im Hintergrund schon der Grill angezündet.

Pastorin Friederike Werber begrüßte neben den zahlreichen Gottesdienstbesuchern auch das musikalische Duo „Tito und sein Holzbein“, die den Gottesdienst im Wald maßgebend gestalteten. Die beiden Musiker ließen sich auch nicht von Widrigkeiten wie vergessenen Noten oder einem unwilligen Verstärker abhalten, sondern hauten unverdrossen in die Saiten, beziehungsweise auf das Cajón (Kistentrommel) und brachten darüber hinaus auch die Anwesenden zum Mitsingen. Ein weiterer künstlerischer Programmpunkt war die Vorstellung des aktuellen Thesenbildes durch den Künstler Hennig Diers.

Zum Gottesdienstende gelang den Verantwortlichen noch eine Überraschung für ihre Pastorin, die nämlich Geburtstag hatte und nun, für sie unverhofft, ein Ständchen gesungen bekam und Geschenkeerhielt.

Das anschließende Grillbüfett eröffnete Pastorin Werber dann auch durch das Auspusten der Kerzen ihrer Geburtstagstorte und gab damit den Startschuss für einen geselligen Ausklang unter den Bäumen.



1501871307.medium

Bild: "Tito und sein Holzbein" Michael (Holzbein) Karsten - Percussions u. Hinderikus (Tito) Alberts - (Vocals, Guitar) [r

1454760236.xs_thumb-

These 82


Zum Beispiel: Warum räumt der Papst das Fegfeuer nicht aus um der heiligsten Liebe willen und wegen der höchsten Not der Seelen als dem berechtigtsten Grund von allen, wenn er doch unzählige Seelen loskauft wegen des unseligen Geldes zum Bau der Basilika als dem läppischsten Grund. 


Seelen in höchster Not...
Unseliges Geld...
läppischer Grund...


Was macht der Mensch heute nicht alles um aus teilweise läppischem Grund Menschen in höchste Not zu bringen, um Geld - unseliges - Geld zu verdienen...?

...Zerstörung von Lebensräumen
...Geldgier
...für Bequemlichkeit

Bild: Bildausschnitte These 82

1454760236.xs_thumb-

Auf ein Neues...!

1499194560.medium

Bild: ThesenRadtour II - Jetzt geht's weiter...

1454760236.xs_thumb-

Der Fähr-Gottesdienst


These 78

„Wir sagen dagegen: Auch dieser [Petrus] und jeder Papst haben noch größere Gnaden, nämlich das Evangelium, Wunderkräfte, Gaben, gesund zu machen, wie 1 Kor 12,28.“

Soweit zur These. Aber was steht eigentlich in 1. Korinther 12, 28? 

Hier lesen wir: „Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann gab er die Kraft, Wunder zu tun, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede“


Das Bild zur heutigen These widmet sich folgenden Elementen:

  • Wunderkräfte
  • Schöpfung

Auf dem Bild sehen die betrachtenden Menschen einen gerollten und mit einem Schlüssel versehenen Ablassbrief der auf der einer unteren Stufe einer Treppe steht. Das Kreuz des Evangeliums steht auf der oberen Stufe und ragt in eine Morgenröte. 

Angedeutet ist die Schöpfung (Landschaft mit Rohrweihe) als Gottesgabe und Gotteswunder


Da der Künstler zur Zeit der Bildervorstellung im wohlverdienten Urlaub weilt, obliegt es mir, der Autorin dieser Zeilen, der Gemeinde das Bild vorzustellen.  

Ich schreibe hier ein wenig aus meiner Predigt: 

Es geht um Wunderkräfte. Dieses Bild nahm einen wahrhaft wunderbaren Weg. Zweimal rollt die Nordseeflut über die Leinwand. Zweimal vermischten sich Sand und Salzwasser zu einer ganz besonderen Melange, die das Bild berührte. Der Hauch Gottes. Nicht nur für Henning Diers ist die Schöpfung ein sichtbares Zeichen für die Wunderkräfte Gottes. Gottes Kraft und Kreativität werden in der Schöpfung sichtbar. Kann der Mensch da mithalten? Nein, kein Mensch kann sich mit Gott messen. Wir können es nicht regnen lassen oder auch nur einen einzelnen Grashalm dazu zu bringen das er wächst. Wir habe es nicht in der Hand. 

Und doch: In 1. Korinther 12, 28 lesen wir davon das Gott Menschen in ihre Ämter einsetzt. ER befähigt. Gott befähigt die Berufenen ihre Berufung zu erfüllen. Gott schenkt Gaben und Talente. Immerhin hat er uns nach seinem Bild geschaffen. Er legt Kreativität in den Menschen. Bereits zur These 77 schrieb ich: „Wir sind von Gott geschaffen, gewollt und gut gemacht. Er hat uns, jeden nach seinen speziellen Gaben mit ganz viel Kreativität beschenkt. Von  Liebe und Empathie, über den „grünen Daumen“ bis hin zu Musik oder Malerei. Alles von Gott geschenkt! Doch die Verantwortung was wir damit machen, liegt bei uns.

Heute lege ich gerne noch was drauf: Wir sind wertvoll! So unendlich wertvoll das wir uns nicht mehr abrackern müssen, in dem verzweifelten und unnötigen Versuch Gott zu gefallen.

Die Treppe in dem Bild von Hennig Diers erinnert mich an den deutsch-amerikanischen Spielfilm „Luther“ (2003) mit Joseph Fiennes in der Rolle des Martin Luther. darin gibt es die Szene in der Luther in Rom einen Ablass kauft, um Familienangehörige aus dem Fegefeuer zu holen. Doch ist es mit dem Kauf nicht getan. Luther wird von den Ablasshändlern aufgefordert auf Knien eine Treppe zu besteigen und auf jeder Stufe ein „Pater Noster“, ein „Vaterunser“ zu beten, erst dann gelangt der Ablass zur vollen Wirksamkeit. Luther beginnt die Treppe herauf zu rutschen, laut betend. Im Film wird sehr schön dargestellt, wie er unterwegs beginnt über den Sinn dieser Handlung nachzudenken. Um ihn herum sind zig andere Menschen ebenfalls damit beschäftigt die Treppe auf diese Art zu erklimmen. Als Luther oben angekommen ist und sich umblickt, erkennt er das sinnlose Tun der Menschen. Er zerknüllt seinen Ablassbrief…


Gnade gibt es bei Gott geschenkt. 

Liebe gibt es bei Gott geschenkt. 

Annahme gibt es bei Gott geschenkt.

Ewiges Leben gibt es bei Gott geschenkt.


Wollen wir…?


Ach ja, wer mal Lust hat das Pater Noster auf lateinisch zu hören kann dies hier gerne:


Danke...

Ein ganz großer Dank geht an die Gemeinden Eystrup, Hassbergen, Hassel und Schweringen, die diesen Gottesdienst an der Fähre in Schweringen im Rahmen der Sommerkirche auf die Beine stellten. De Weiteren sei ein großes Dankeschön an die Posaunenchöre Eystrup, Hassel und Schweringen geschickt. Ihr habt den Gottesdienst unter der Leitung von Heinz Breitlow toll begleitet! Ein nächster Dank geht an die vielen Menschen die für Auf- und Abbau, die Salate und Getränke gesorgt haben und natürlich auch an die beiden Pastoren Jann-Axel Hellwege und Dr. Thies Jarecki. 


Mehr Bilder gibt es in der Galerie: Veranstaltungen!


1499012203.medium

Bild: Der Fähre-Gottesdienst zur These 78

1454760236.xs_thumb-

Du bist wertvoll...!

Hinweis vorab: Menschen mit wenig Zeit empfehlen wir „Die Quintessenz“ zu lesen… 

Die Übergabe des Thesenbildes fand im Rahmen eines Orgelkonzertes von Dietrich Wimmer statt. Von daher sagen wir: "Herzlichen Dank für diesen musikalischen Hochgenuss!"


Die 77. These: 

„Dass gesagt wird, selbst wenn der heilige Petrus jetzt Papst wäre, könnte er nicht größere Gnaden gewähren - das ist Blasphemie gegen den heiligen Petrus und den Papst“


Die Bestandteile des Thesenbildes:

  1. Schwarze Linien
  2. Eine symbolische Mauer mit einem Graffiti
  3. Ein Pantheon
  4. Ein in Plastik eingeschweißtes Teil einer Bibel
  5. Der Bezug zur These: Blasphemie


Die Bedeutungen:

  1. Die schwarzen Linien stehen als Bezug zur Documenta, die die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst ist
  2. Das Graffiti weist auf den Film „Das Leben des Brain" (Original: „Monty Python’s Life of Brian“, 1979) hin. Es geht dabei um die Szene in der der Held des Filmes "Romanes eunt domes" (Lateinisch für: Irgendwelche Menschen namens Romanes gehen das Haus) an eine Hauswand schmiert, um damit die Römer zu verhöhnen. Ein zufällig vorbeikommender Römer stößt sich an den Rechtschreibfehlern und zwingt den Schreiber, mit vorgehaltenen Schwert, dazu den Satz hundert mal richtig an die Mauern Roms zu schreiben: "Romani ite domum“ (Lateineisch für: Römer geht nach Hause!)
  3. Das oben links erkennbare Pantheon bezieht sich auf ein Kunstwerk der Künstlerin Marta Minujín welches derzeit in Kassel zu sehen ist. Ein Pantheon ist ursprünglich ein den Göttern geweihtes antikes Heiligtum.
  4. Das eingeschweißte Bibelfragment weist ebenfalls auf das unter c) erwähnte Kunstwerk hin. Das Pantheon von Marta Minujín ist mit tausenden, ebenfalls eingeschweißten Büchern bestückt. Minujín will damit ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser setzen. Um dies zu verdeutlichen nimmt sie Bücher, die einst oder auch gegenwärtig verboten sind. Henning Diers nimmtdie Bibel als verbotenes Buch mit in dieses Bild hinein. Dazu der Hinweis auf einen historischen Abriss, der in der Online-Ausgabe der „Zeit“ vom 1.Oktober 2014 zu lesen war. (Link: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/bibel-uebersetzung-verbot) Dort steht: „Im Zuge der religiösen Bewegungen des 12. und 13. Jahrhunderts begannen sich jedoch auch Laien für die Bibel zu interessieren, und erstmals wurden Ansprüche laut, sie selbst auszulegen. Die Kirche wies dies vehement zurück. 1199 untersagte Innozenz III. die Bibellektüre bei privaten Zusammenkünften, und auf der 1229 in Toulouse unter der Leitung Gregors IX. tagenden Synode wurde den Laien der Besitz des Alten und Neuen Testaments mit Ausnahme des Psalters und des Breviers (des Stundenbuchs) untersagt. 1234 erklärten die spanischen Bischöfe auf der Synode von Tarragona jeden zum Ketzer, der eine romanische Übersetzung der Heiligen Schrift besaß und diese nicht innerhalb von acht Tagen nach der Bekanntmachung des Dekrets zur Verbrennung ablieferte.“ Am 8. Januar 2014 schrieb die Online-Ausgabe der „Welt“, unter Bezugnahmen auf das Hilfswerk „Open Doors“ (www.opendoors.de): „Christen werden in vielen Ländern verfolgt und ihr Glaube unterdrückt. Hauptquelle für die Verfolgung ist häufig Islamismus – an der Spitze der Unterdrückerstaaten aber liegt Nordkorea. In Nordkorea werde auch unter dem neuen Herrscher Kim Jong-Un bereits der Besitz einer Bibel mit der Todesstrafe oder Arbeitslager für die gesamte Familie geahndet,…“  (Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/article123650893/Wo-der-Besitz-der-Bibel-mit-dem-Tod-bestraft-wird.html)

Für Henning Diers hat die Bibel in diesem Bild aber noch eine andere, viel weitreichendere Bedeutung: Er bezeichnet sie hier als „Eckstein“ im Hinblick auf Matthäus 21,42. Dort heißt es: „Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und er ist ein Wunder vor unsern Augen«?“

Des Weiteren verweist der Künstler damit auch auf Luthers „Sola Scriptura“ (allein die Schrift!), wie wir es bereits in These 75 erklärten.

  1. Das Wort Blasphemie wird laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia wie folgt erklärt: „Blasphemie bezeichnet das Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer kanonischen Weltreligion. Eine öffentliche, Ärgernis erregende Beschimpfung Gottes wird als Gotteslästerung bezeichnet.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Blasphemie)


Die Aussage: 

Es geht zum einen um die Kunst und den schmalen Grad zwischen der Freiheit die wir wollen und brauchen und dem Moment der Beleidigung, des Angriffs auf andere. Daraus folgt die Frage: Was darf Kunst? Was muss sie manchmal sogar tun, um auf Missstände hinzuweisen, um wach zu rütteln? Welche Möglichkeiten hat Kunst? Wo ist sie zwingend wichtig? Kunst als Vehikel um Wahrheiten und Weckrufe zu transportieren!

Zum anderen geht es aber auch um die Frage: Woher kommt Kunst? Ist Kunst von Gott? Ist Kunst göttlich? Ein Ausdruck Gottes?


Die Quintessenz: 

Gott ist die Kreativität! In 1. Mose 1, 1 lesen wir: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde!“

Und: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als männlich  und weiblich.“ (1. Mose 1,27)

Gottes Fazit: „Und Gott sah, dass es gut war.“ (1. Mose 1, 10)

Unser Thesen-Fazit: Wir sind von Gott geschaffen, gewollt und gut gemacht. Er hat uns, jeden nach seinen speziellen Gaben mit ganz viel Kreativität beschenkt. Von  Liebe und Empathie, über den „grünen Daumen“ bis hin zu Musik oder Malerei. Alles von Gott geschenkt. 

Doch die Verantwortung was wir damit machen, liegt bei uns.

In Jakobus 2, 8 lesen wir, womit es anfängt: „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; …“


Packen wir es an und machen das Beste draus…!


1498121108.medium

Bild: Von der 77. These und dem Orgelkonzert

1454760236.xs_thumb-

Endspurt


Mit der These Nummer 77 läuten wir am 17. Juni 2017 in Eitzendorf den Endspurt ein!
Die kommenden 19 Bilder bilden die unteren und damit letzte Reihe des späteren ganz großen Bildes. Sie führen also direkt zum Abschluss dieser einmaligen Kirchenkunstaktion und damit zur Vollendung des Gesamtkunstwerks!!
1497454045.medium

Bild: 19 Bilder bis zum Ganzen...

1454760236.xs_thumb-

Zu den Grundfesten… 


These 75: Patengemeinde St. Michael, Nienburg

4. Juni 2017


Gleich in der Einleitung zu seinen Thesen lädt Dr. Martin Luther zum Disput um die Wahrheit ein. Als Doktor der Theologie ist das Wort, das gesprochene sowie das geschriebene sein täglich Brot und Berufsinhalt. Seine Wortgewandtheit und ausgesprochene Liebe zum Wort und damit auch zur Sprache wird in der Folge der Reformation die Welt verändern. 

Als Luther 1521 auf der Wartburg das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte, rang er - so die Überlieferung - oftmals mit den Worten und ihren Bedeutungen. Luther hatte bei seiner Übersetzung das Bestreben, dass das Volk die Bibel verstehen konnte. Denn nur wer verstehen konnte, hatte die Möglichkeit sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und so das Geschenk der göttlichen Errettung anzunehmen. 

Das Verstehen wurde durch die seinerzeit übliche lateinische Predigt erschwert. Das voll war also darauf angewiesen was ihnen die Prediger auslegten. Das Volk konnte also nur soviel glauben, wie es gelehrt bekam. 

So hatten die Ablassprediger also leichtes Spiel, wenn sie die drakonischen Schmerzen und höllischen Qualen des vermeintlich unausweichlichen Fegefeuers dem gemeinen Volk in drastischen Reden vor Augen malten. 

Der genau wie Luther sehr eloquente Johann Tetzel (1460-1519) war einer dieser wortgewaltigen Ablassprediger. Somit es durchaus vorstellbar das er seinen verschreckten Zuhörern weismachen wollte, das sogar die Vergewaltigung von Jesu Mutter durch den Erwerb des päpstlichen Ablasses vergeben werden könne. Diese dramatische Szene mag der Grundstein für die aktuelle und damit 75. These sein: 

"Zu glauben, die päpstlichen Ablässe seien derart, dass sie einen Menschen absolvieren könnten, selbst wenn er – gesetzt den unmöglichen Fall – die Gottesgebärerin vergewaltigt hätte, das ist verrückt sein."

Genau diese Dreistigkeit Tetzels mag es gewesen sein die Luther auf die Palme brachte. Die Willkür und Frechheit in den Worten eines Ablasspredigers (These 71) musste ein Ende haben! 

Luther war vermutlich ziemlich sauer und ihm war klar: "Wir müssen reden!"

Der Ablasshandel baute auf einem haltlosen Konstrukt drastischer Predigten auf, die sich die Angst der Zuhörer zunutze machte.

Luther selbst hatte früher Angst vor Gott, den er als strafenden Gott empfand. Doch dann wurde eine Stelle im Römerbrief (Röm. 1,17) zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Dort steht: "Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben." SOLA FIDE (Röm. 3,28)

Gottes Gnade schafft Errettung. SOLA GRATIA (Röm. 11,6)

Die hohlen Worte der Ablassprediger sind nur ein instabiles, leeres Konstrukt. Eine menschengemachte sinnlose, nur scheinbare Ordnung. Diesen leeren Worten setzte Luther die Bibel, die heilige Schrift entgegen. SOLA SCRIPTURA (2.Tim. 3,16-17)

Christus hingegen bringt Leben - über den Tod hinaus. Nur Christus bringt Ordnung und ewiges Leben. Christus allein. SOLUS CHRISTUS (1. Tim. 2,5)


Henning Diers widmet sich in seinem Bild zur These 75 diesen Inhalten und stellt gleichzeitig einen Bezug zum heutigen Pfingstfest her: Zu Beginn der Aktion liegt das noch unfertige Bild auf einem Tisch, der vor dem Altarbereich steht. Auf Einladung des Pastors Marco Voigt kommt die Gemeinde nach vorne. Henning Diers beginnt mit Federkielen eine Art Gerüst auf der Leinwand zu legen. Die Grundfarbe des Bildes entstand auch diesmal wieder in einem willkürlichen (These 72) Akt. 

Nachdem die Gemeinde das Bild mit dem Gerüst gesehen hat, beugt sich der Künstler über sein Werk und bläst die Federkiele auseinander… Schweigen in der Kirche. 

Dann legt Henning Diers mit unterschiedlichen Holzstückchen (Die Stücke stammen ebenso wie die Federkiele von der Insel Spiekeroog) ein Kreuz auf das Bild. 

Die vier Bestandteile des nunmehr entstehenden Holzkreuzes heißen CHRISTUS und FIDE und SCRIPTURA und GRATIA*.

Eine neue, biblische Ordnung entsteht! Durch das hinweg blasen des hohlen, nicht tragfähigen Konstruktes wurde Raum geschaffen für Neues. 

So wird diese Kirchenkunstaktion zum einen ein Sinnbild für die Reformation, den Veränderungsprozess und gleichzeitig auch eine Analogie für das Wirken des Heiligen Geistes. Denn nur der Geist (Gottes) macht lebendig (2.Kor. 3,6)!

In der auf die Kunstaktion folgenden Predigt verstand Pastor Marco Voigt es sehr einfühlsam und eindrücklich das eben Erlebte mit dem heutigen Pfingstfest und den Thesen zu verbinden. Als Basis für seine Predigt diente ihm dabei nicht nur die These 75 und 76 („Wir sagen dagegen: Die päpstlichen Ablässe können nicht einmal die kleinste der lässlichen Sünden tilgen, was die Schuld betrifft.“) sondern auch der Bericht über das Pfingstwunder aus Apostelgeschichte 2, 1-18.

Für die Untermalung dieses stimmungsvollen Gottesdienstes sorgten Hartmut Reußwig als Organist, Pianist und Chorleiter sowie Verena Nordbrock an der Querflöte. Und das „Kleine Ensemble Marklohe“ schuf gesanglich den passenden Rahmen.  



*Die im Text erwähnten Begriffe stammen aus dem lateinischen und stehen für die vier Grundfesten der Reformation. Für Luther waren diese Punkte von exorbitanter Wichtigkeit. 

  • Sola Fide (allein der Glaube)
  • Sola Scriptura (allein die Schrift)
  • Solus Christus (allein Christus)
  • Sola Gratia (allein die Gnade)


Weiter Bilder finden Sie unter dem Menüpunkt: "Galerie: Veranstaltungen".

Bild: Zur These 75...

Weitere Posts anzeigen