BILDER95THESEN

95 Bilder in 95 Wochen zu 95 Thesen: Das ist die Kirchenkunst-Aktion des Künstlers Henning Diers. Beginnend in den Kirchen der Samtgemeinde Hoya und in Haßbergen, wächst dieses Kunstwerk in die Welt.

1454760236.xs_thumb-

Ein Schreihals...


These 72:
"Wer aber seine Aufmerksamkeit auf die Willkür und Frechheit in den Worten eines Ablasspredigers richtet, der soll gesegnet sein.


Henning Diers schreibt in einer Email zu dem Bild:

[...] Das Bild zur 72. These ist recht einfach gehalten, ein durch Flammen brüllender, schreiender Mund : der eines Ablasspredigers. So stellten sich am vergangenen Montag die Jury-Mitglieder in Lüneburg einen Ablassprediger vor, jedenfalls war dieses Bild mein „Sieb-Inhalt“.
Außerdem sieht man auf dem Gemälde eine segnende Hand.
Der veränderliche Teil des Bildes : eine quadratische Pappe, auf der die Hand gemalt ist, lässt sich nach oben umdrehen. Der bisher verborgene Bereich zeigt dann den Wahlverlierer und v.a. Frauen-Verunglimpfer Torsten Albich. Die segnende Hand wird umgedreht zu einer nehmenden ( Geld, Macht ? ) Hand.
Im Gottesdienst ging es thematisch um Frauen in der Reformationszeit. Deshalb die Verbindung der These mit dem Frauen+ Gleichbrechtigungs-Thema. Ich habe ausserdem den Thesentext „gender-bereinigt“ vorgetragen... [...]



1495786212.medium

Bild: Ausschnitt These 72

1454760236.xs_thumb-
These 71:

"Wer gegen die Wahrheit der apostolischen Ablässe redet, der soll gebannt und verflucht sein."

Die Elemente des Bildes:

  • Ein schwebendes Kreuz
  • Eine Kapelle, die an einem Faden hängt
  • Ein Faden der kreuz und Kapelle verbindet
  • Eine weiße, halbseitig das Bild bedeckende strukturierte Fläche 


Am 31. Oktober 1517 schlug der Überlieferung zufolge, Martin Luther - damals noch Priester und Augustinermönch - seine berühmten 95 Thesen "Über Wert und Kraft der Ablässe" an das Tor der Schloßkirche zu Wittenberg. Darin protestierte er gegen ein veräußerlichtes Bußverständnis, das sich im Ablasshandel Ausdruck verschaffte. - Unerleuchtete Kirchenvertreter hatten aus dem Ablass ein Geschäft gemacht. Besonders der Ablassprediger Johannes Tetzel spielte hier eine unrühmliche Rolle. - " Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele [eines Verstorbenen im Fegefeuer] in den Himmel springt", lautete sein Werbeslogan. Hier wurde so getan, als ob man allein durch den Kauf eines Ablassbriefes Vergebung erlangen und in den Himmel kommen könne. Zu Recht empörte Luther sich über ein so primitives Glaubensverständnis: "Unser Herr und Meister Jesus Christus wollte, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sei"(These 1). Mit anderen Worten: Buße muss ein existentieller Akt sein, eine Gesinnung in der Tiefe der Person, ansonsten ist jedes äußere Bußwerk umsonst getan.Der Ablasshandel stellte einen bedauerlichen Mißbrauch des Ablasses dar. Nun gilt allerdings der Grundsatz: "Abusus non tollit usum": Der Mißbrauch einer Sache hebt ihren richtigen Gebrauch nicht auf. 

Auch Luther räumte in seinen "95 Thesen" ein: "Wenn der Ablass im Geiste und im Sinne des Papstes gepredigt würde, so ließen sich diese Einwände alle leicht entkräften, ja sie kämen gar nicht erst auf“.

Fragen wir also: Worum geht es beim rechten Verständnis des Ablasses?

Die theologische Definition des Ablasses lautet: Der Ablass ist ein Nachlaß zeitlicher Strafen für Sünden, die hinsichtlich der Schuld von Gott bereits vergeben worden sind.

Der Ablass gehört zur Bußpraxis der Kirche. Die Kirche tritt für den Gläubigen, der im Bußsakrament mit Gott versöhnt wurde, ein, dass er von Strafen, die er sich durch seine Schuld möglicherweise zugezogen hat, befreit werde.

Quelle: http://catholic-church.org/ao/ps/ablass.html


Und damit sind wir bei der Deutung des Bildes. Ich (die Autorin) lege es wie folgt aus:


Christus starb am Kreuz für unsere Sünden. Durch seinen Tod sind wir errettet. Von daher kann jegliches tun nur Symbolcharakter haben, aber niemals die ehrlich Buße und damit Hinwendung zu Gott ersetzen. Gott errettet alleine durch seine unverkäufliche Gnade! 

Das gilt für alle Menschen.

So steht, oder besser gesagt hängt hier im Bild also die Kapelle an einem seidenen Faden der vom Kreuz herunterhängt. Ohne Kreuz keine Gnade und keine Errettung. 

Der linke Teil des Bildes wird von einer hellen Fläche eingenommen. Diese Fläche steht sinnbildlich für die Wüste. Das bezieht sich auf ein Versöhnungsritual aus 3. Mose 16. Der Bock der mit den Sünden und Verfehlungen der Menschen in die Wüste gejagt wurde, ist nicht mehr nötig. 

Christus ist das größte Opfer. Er hat unsere Sünden getragen (Jesaja 53, 1-12).

In Römer 5, 8-11 lesen wir: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn gerettet werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind. Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“


Ohne das Kreuz, ohne Jesus, ist alles nichts.

Mich begeistert das unendlich!


Bild: Bildausschnitt These 71

1454760236.xs_thumb-

Alles klar...?


These 70
„Aber noch stärker sind sie verpflichtet, mit scharfen Augen und offenen Ohren darauf zu achten, dass die Kommissare nicht anstelle des Auftrags des Papstes ihre eigenen Einfälle predigen.“

Ja, also...

Bild: These 70: Bildausschnitt + Gedicht

1454760236.xs_thumb-

Eine ganz besondere Begegung

Einen ganz unerwarteten Weg ging das Bild zur These 69 für mich...

Die These 69:

„Bischöfe und Pfarrer sind verpflichtet, die Kommissare der apostolischen Ablässe mit aller Ehrerbietung walten zu lassen.“

Betrachten wir das Bild. Kirchen und Häuser sind zu erkennen. Darunter, steht eine gebeugte Person. Die Arme weit auseinander. Es scheint als würde die Person die Gebäude schultern. Eine Person alleine, nimmt es mit den Gebäuden auf. Diese Gebäude stehen als Synonym für Aufgaben, für Anforderungen. Die Person ist und bleibt alleine… 

Aber, muss das sein? 


Während Hennig Diers im Altarraum gemeinsam mit Pastorin Friederike Werber sein Thesenbild erörtert und sie sich über Gehorsam und Regelungen unterhalten, versinke ich (die Autorin) in dem Bild...


Die Lesung zu dem heutigen Sonntag „Quasimodogeniti“, findet sich in Johannes 21, 1-14. Das ist die Geschichte in der sich der auferstandene Jesus seinen Jüngern am See Tiberias zeigt. Die Jünger haben damit nicht gerechnet. Nach Jesu Tod sind sie in ihrer Trauer und auch sicherlich in ihrem Frust, wieder an die Arbeit gegangen die sie gelernt haben: sie fischen. 

Jetzt, wo Jesus nicht mehr da ist, ist die tolle und spannende Zeit für sie vorbei. So mag sich sicherlich der eine oder andere gedacht haben. „Keine Action mehr…“

Was bleibt? Fische fangen. Immerhin sind ein paar der Jungs Fischer. Also schlugen sie sich, berufstypisch, die Nacht um die Ohren und warfen ihre Netze aus. Stunde um Stunde. Die ganze Nacht lang. Vergebens. So richtig frustriert, übernächtig und genervt segeln sie zurück an Land. Als sie ankommen steht da irgend so ein Typ rum. Und dann hat der auch noch die Dreistigkeit zu fragen, ob sie was zu Essen für ihn haben? „Nö, nichts!“, so ihre Antwort. Der Typ sagt, befiehlt dann schon fast: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ Hä? Ich stelle mir vor das die Jünger im Boot sich angucken, die Augen verdrehen und sich fragen, was das wohl für’n Spinner ist. Und weil es eh egal ist, ob ist ob sie es noch einmal machen oder nicht, und sie dem Freak da am Ufer zeigen wollen wie blöd seine Idee ist, machen sie es. „Das wird nix“, feixen sie im Boot. Und dann?

Es kommt unerwartet: Das Netzt ist voll. Übervoll! Es ist so schwer das sie es nicht ins Bott gezogen bekommen. Da sie in Ufernähe sind, springen andere Jünger helfend zur Seite. Gemeinsam bringen sie den fetten Fang ans Ufer. Und der Typ? Der sitzt seelenruhig (und ich denke mit einem leichten Grinsen) am Ufer. Vor sich ein Lagerfeuerchen und darin brutzeln schöne Fische und leckeres Fladenbrot. Was ist das für ein Kerl?

Es ist Jesus und er lädt seine Jungs kurzerhand zum Essen ein. Barbecue on the beach!"

So kaputt, übermüdet und fertig sie eben noch waren, jetzt, nach der Nummer mit dem vollen Netz sind sie völlig aufgedreht. Und plötzlich begreifen sie: Der Typ da, im Sand, mit dem freundlichen Lachen, dass ist Jesus! Er lebt!

In der Bibel wird beschrieben das sie Jesus erkennen. Das muss sie echt geschockt haben. Und zwar so, dass sich keiner an Feuer traute, keiner griff zu. Was macht Jesus? Er geht auf sie zu und teilt das Essen unter ihnen aus. 

Soweit meine Fantasie… 

In meiner Kirchenbank in Magelsen sitzend, beginne ich zu begreifen: 

  • Jesus lässt uns nicht allein!
  • Er hat so ein großes Interesse uns, dass ER zu uns in unseren Alltag kommt.
  • Er kümmert sich um uns und versorgt uns, wenn wir es wollen.
  • Er bestimmt nicht über uns, bietet stattdessen seine Hilfe an.

Und was hat das mit dem Bild zu tun?

Niemand muss alleine bleiben. Niemand muss sich alleine abkämpfen. Und ja, arbeiten müssen wir. Unserer Alltag müssen, ja dürfen wir aktiv gestalten. Wir brauchen nur nicht alleine bleiben. Jesus kommt zu uns. ER liebt uns und will sich um uns kümmern!

Wollen wir das?


Bild: Zur These 69

1454760236.xs_thumb-

Ostern, vorbei?


Ein Blick auf den Kalender sagt eindeutig das Ostern für 2017 vorbei ist.

Aber was nicht vorbei ist, sondern absolute Gültigkeit hat ist die Auferstehung Christi.

"Der HERR ist auferstanden, ER ist wahrhaftig auferstanden!"


Henning Diers bringt in dem Bild zur These 68 die Kreuzigung, die Bedeutung des Kreuzes und die Thesen zusammen. 

Als Lesetipp empfehle ich gerne die Ostergeschichte aus Johannes. In den Kapiteln 18 - 21 beschreibt der Evangelist Johannes sehr eindrücklich was damals geschah - von der Gefangennahme Jesu bis zu einem letzten Aufeinandertreffen am See Tiberias, als sich der auferstandenen Jesus den Jüngern zeigt.

1492623017.medium

Bild: Bildausschnitt These 68

1454760236.xs_thumb-

These 68


"Doch in Wahrheit sind sie die allerkleinsten, gemessen an der Gnade Gottes und seiner Barmherzigkeit im Kreuz."




1454760236.xs_thumb-

These 67


"Die Ablässe, die die Prediger als „allergrößte Gnaden“ ausschreien, sind im Hinblick auf die Gewinnsteigerung tatsächlich als solche zu verstehen." 


1492110653.medium

Bild: Impressionen aus Wechold

Henning Diers
vor 3 Monaten
Am Gründonnerstag 2017 haben die Gottesdienstbesuchenden im Jugendgottesdienst in Wechold etwas vollendet : auf dem Gesamtbild der 95 Bilder wird ein Kreuz zu sehen sein, welches sich über 8 Leinwände erstreckt. Alle diese Anteile sind nun von Menschen gestaltet worden, die in den Thesen-Gottesdiensten anwesend waren. Dieses Kreuz ist nun vollständig, passenderweise am Tag vor Karfreitag.
Ich bedanke mich ausdrücklich für diese tolle Beteiligung !
Henning Diers
1454760236.xs_thumb-
These 66

"Die Schätze der Ablässe sind die Netze, mit denen man heutzutage die Reichtümer von Menschen abfischt."

Menschen abfischen...

...hier wird nicht an den Menschenfischer aus Lukas 5,10 gedacht, sonder eher an die Netze in denen sich Menschen verstricken. Hennig Diers thematisiert hier Flüchtlinge die sich von Schleppern "einfangen" lassen. Menschen die sich in die dunklen Machenschaften skrupelloser Menschen "verfangen". menschen die ihre Seele, ihr leben wagen, um in Nussschalen gleichen Booten den Wahnsinn einer Meeresquerung wagen.
Sie wagen und sterben.
Auf dem Bild ist eine Liste aus dem Internet verarbeitet, auf der die zahllosen und oftmals auch namenlosen Menschen verzeichnet sind, die wagten und starben...

Bild: Detailaufnahmen These 66

Henning Diers
vor 3 Monaten
Die Liste, die ich im Internet gefunden habe :
UNITED for Intercultural Action, European Network against nationalism, racism, facism and in Support of migrants and refugees, Amsterdam
Dokumentation vom 01.11.2012 ! :
List of 17306 documented refugee deaths trough Fortress Europe
Es sollte bei allen "Versuchungen" kein Tag vergehen, an dem wir die Flüchtlinge vergessen, die auf dem lebensgefährlichen Weg nach Europa sind.
Henning Diers
1454760236.xs_thumb-

Live-Malerei in Martfeld


Die Kirchengemeinde Martfeld ist Patengemeinde und so machte sich henninf´g Diers auf, hier in der Kirche ein Bild im Gottesdienst entstehen zu lassen.

Thema: These 65:

"Also sind die Schätze des Evangeliums die Netze, mit denen man einst Menschen von Reichtümern fischte."

Zum Predigtinhalt schreibt Pastor Heinz Dieter Freese:
"Es geht um eine Fokussierung auf den Reichtum. Die Netze des Evangeliums ziehen den Menschen von dort ab, holen ihn ab, reißen ihn da hinaus. Die Netze des Evangeliums holen Menschen aber nicht nur heraus aus der Bindung an den Reichtum, sondern auch aus anderen Bindungen und Nöten: Krankheit, Verluste, Sorgen, Zukunftsängste..."

Die Bilder stellte freundlicher Weise Pastor Heinz Dieter Freese zur Verfügung

Bild: Heinz Dieter Freese

1454760236.xs_thumb-

Die On/Off-These


These 63 und 64 bringt Henning Diers thematisch zusammen.

63. Er ist aber aus gutem Grund ganz verhasst, denn er macht aus Ersten Letzte. 
64. Der Schatz der Ablässe ist hingegen aus gutem Grund hochwillkommen, denn er macht aus Letzten Erste


1491067194.medium_hor

Bild: Henning Diers

Weitere Posts anzeigen